Microsoft muss doch kein Java-Päckchen schultern

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Trotzdem auch Teilerfolg für Sun vor Gericht

Im ewigen Streit um die Unterstützung von Java hat Microsoft einen Teilerfolg über Sun errungen. Ein US-Berufungsgericht in Richmond (Virginia) hob die einstweilige Verfügung auf, die Microsoft dazu gezwungen hat, seine Betriebssysteme mit einer aktuellen Version von Java auszuliefern. Die Verfügung, die Anfang des Jahres von einem US-Bezirksgericht in Boston verhängt wurde, sollte verhindern, dass Sun und seine Java-Plattform irreparablen Schaden zugefügt bekommen, bis der Prozess in der Hauptsache eröffnet wird.

Sun habe aber nicht deutlich machen könne, dass dieser Schaden tatsächlich entstehe, heißt es in der Begründung. Rechtsexperten meinten, es wäre von einem Gericht auch zuviel verlangt, eine solche Entscheidung zu bestätigen. Immerhin hätten sich die Richter eine Meinung bilden müssen über die Entwicklung des Middleware-Marktes in den kommenden Jahren. Und selbst Sun und dessen Zeugen hätten in der Verhandlung keine Prognose abgeben können.

Sun verklagt Microsoft auf Schadenersatz in Höhe von 1 Milliarde Dollar. Der Vorwurf: Microsoft nutze seine Vormachtstellung dazu aus, Java zugunsten seiner eigenen Dotnet-Architektur zu verdrängen. Das Verfahren darüber wird aber voraussichtlich erst im übernächsten Jahr beginnen können.

Gleichzeitig bestätigte das Berufungsgericht allerdings, dass Microsoft bestimmte Versionen seiner Java Virtual Machine (JVM) nicht weiter ausliefern darf. Denn damit würden die Grenzen einer Lizenzvereinbarung vom Januar 2001 überschritten, so das Gericht. Die JVM dürfe demnach nur als Bestandteil der Betriebssysteme vertrieben werden, nicht aber als einzelnes Produkt, das an PC-Hersteller weitergegeben werde oder über Windows-Updates.

Erstaunlicherweise zeigten sich Vertreter beider Unternehmen nach der Urteilsverkündung zufrieden. Ein Microsoft-Sprecher bezeichnete das Urteil als einen “positiven Schritt”, obwohl die JVM nicht mehr wie bisher vertrieben werden darf. Sun dagegen ließ mitteilen, man sei “höchst erfreut” darüber, dass das Gericht die Verletzung der Lizenzvereinbarung bestätigt habe.

In den kommenden Runden des Schlagabtauschs vor verschiedenen Gerichten wird es vor allem darum gehen, ob Microsofts Argument verfängt, Sun solle seine Software doch eigenständig vertreiben. Schließlich würden Apple mit seinem Quicktime oder Real Networks mit seinem Media Player doch nichts anders tun.

Andererseits haben die PC-Hersteller Dell und Hewlett-Packard gerade erst Verträge mit Sun geschlossen, unter denen die Geräte mit einem vorinstallierten Java vertrieben werden. Branchenexperten erwarten, dass andere Hersteller folgen werden. “Das ist ein sehr interessanter Dominoeffekt”, meinte Sun-Chef Scott McNeally.