Wer Linux meidet, dem ist nicht zu helfen

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Linux-Analyst liest Zauderern die Leviten

Die aktuelle Verunsicherung um Linux sollte keine Entschuldigung dafür sein, das Open-Source-Betriebssystem derzeit nicht im Unternehmen einzusetzen. Die Analysten von Forrester Research drängen die Anwender in einem aktuellen Papier geradezu, nicht vor Linux zurückzuschrecken.

Das Betriebssystem sei “längst reif für den Unternehmenseinsatz” schreibt Abteilungsleiter Ted Schadler. Es sei Unsinn zu glauben, die Plattform sei wegen der rechtlichen Streitigkeiten zwischen SCO und IBM ein rechtliches Risiko. “Mit den Urheberrechtsfragen muss sich IBM herumschlagen, nicht die Anwender”, so Schadler.

Letztendlich werde IBM das Problem lösen, rechnet Schadler vor, weil ja in den Bereichen Server, Software und Dienstleistungen Umsätze von jährlich 2 Milliarden Dollar auf dem Spiel stünden. Big Blue werde das Problem in den Griff bekommen, auch wenn es möglicherweise teuer werde, so Schadler weiter.

Wer sich jetzt aber von der Unsicherheit beeindrucken lasse, bringe sein Unternehmen um die Kostenvorteile, die Linux liefern könne: Und zwar mit der Verlagerung von angestammten Unix-Aufgaben auf Intel-Systeme mit Linux-Plattformen.

Einer aktuellen Forrester-Umfrage unter 877 großen US-Unternehmen zufolge setzen immerhin 17 Prozent bereits Linux ein. Auf der Open-Source-Plattform laufen vor allem Web-Server, Datenbanken und zentrale Anwendungen. Aber auch Workstations mit Linux seien keine Seltenheit mehr, heißt es bei Forrester.

Der Linux-Kernel sei jetzt so ausgereift, dass einem Einsatz nichts mehr entgegenstehe. Immerhin beschäftige allein IBM 250 Entwickler ausschließlich mit Arbeiten am Kernel, so der Hinweis von Schadler. Spätestens mit der anstehenden Version 2.6 im Herbst seien Features wie die Posix Threading Library und 16-Wege SMP Support auch mit Linux zu haben.

Auch fehlender oder mangelhafter Support lässt Forrester-Mann Schadler nicht mehr als Gegenargument gelten. Denn der sei eben nicht nur von HP und IBM oder von den Distributoren wie Redhat und Suse zu bekommen, sondern inzwischen auch von Bea, BMC, Dell, Oracle, SAP oder Veritas.

Und schließlich seien jetzt auch ausreichend Softwarehersteller auf den Linux-Zug aufgesprungen. “Schon seit vier Jahren gibt es Oracle-Produkte für Linux”, so Schadler, “und SAP hat Linux als Referenzplattform”. Portierungen wurden jetzt von Peoplesoft und Vignette angekündigt. “Und die anderen ISVs (Independent Software Vendors) sagen uns, sie portieren auf Linux, sobald die Kunden das wollen.”