SCO entzieht IBM die Unix-Lizenz

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Klage auf 3 Milliarden Dollar ausgeweitet

Das amerikanische Softwareunternehmen SCO hat seine Drohungen wahr gemacht und vor einem Bundesgericht im US-Bundesstaat Utah eine einstweilige Verfügung gegen IBM beantragt, mit der dem Unternehmen die Verwendung und der Vertrieb des Unix-Derivats AIX untersagt werden soll. SCO behauptet, IBM habe mit der Weitergabe von Code-Bestandteilen aus Unix an die Open-Source-Gemeinde gegen die Lizenzvereinbarungen zwischen beiden Unternehmen verstoßen.

Eine IBM-Sprecherin wies die Vorwürfe zurück. Die Lizenz für Unix könne nicht entzogen werden, sie sei unbefristet gültig und unwiderruflich. SCO dagegen teilte mit, IBMs AIX werde von nun an als “nicht autorisiertes Derivat von Unix System V” betrachtet. IBM habe mit der missbräuchlichen Weitergabe von Unix-Code das Ziel verfolgt, Unix zu zerstören und auf lange Sicht vollständig durch Linux zu ersetzen. Zu diesem Ziel hatten sich IBM-Manager in der Vergangenheit öffentlich geäußert.

Außerdem verdreifachte SCO inzwischen seine Schadenersatzforderung auf 3 Milliarden Dollar. Vor einem Bezirksgericht am Firmensitz in Utah erweiterten die Top-Anwälte des Unternehmens außerdem die Klageschrift, in der sich jetzt auch weitere Darstellungen finden, die die Vorwürfe belegen sollen. Eine Milliarde wird nun für den Bruch von Abkommen zwischen SCO und IBM verlangt, eine weitere Milliarde für Verstöße gegen einen Vertrag mit Sequent, ein Unternehmen, das IBM vor vier Jahren aufgekauft hat. Und eine dritte Milliarde fordert SCO nun für wettbewerbsrechtliche Verstöße. Und auch für den Verrat von Betriebsgeheimnissen sollen weitere Summen hinzukommen, wie auch nicht näher genannte Beträge für Strafzahlungen.

Namentlich genannt wird jetzt auch erstmals der Linux-Begründer Linus Torvalds. Er habe es zugelassen, dass urheberrechtlich geschützter Unix-Code in Linux aufgenommen wurde.

Und schließlich finden sich jetzt auch Vorwürfe in der Klageschrift, IBM habe mit seinem Verhalten US-amerikanische Ausfuhrbestimmungen unterlaufen: So hätten jetzt auch Kuba, Iran, Syrien, Nordkorea und Libyen Zugang zu Dual-Prozessor-Betriebssystemen, mit denen besonders sichere Verschlüsselung und Forschung in der Waffentechnik zu bewerkstelligen seien, heißt es.

Erstmals nennt SCO auch eine Technik, die unerlaubterweise von IBM weitergegeben worden sein soll. Das ‘Remote Copy Update’, mit dem Speicherengpässe auf Multiprozessor-Maschinen behoben werden können, hätte nicht weitergegeben werden dürfen. Noch immer ist SCO allerdings den Beleg schuldig, dass Bestandteile des Quellcodes von Unix sich in Linux wiederfinden – und nicht etwa umgekehrt. Harte Fakten sollen erst in einer Hauptverhandlung vor Gericht auf den Tisch kommen.

Seitdem SCO die Klage gegen IBM eingereicht hat, verdreifachte sich der Aktienkurs des finanziell angeschlagenen Unternehmens, in der vergangenen Woche war es noch einmal eine Steigerung von 24 Prozent.