Microsoft warnt Aktionäre vor Open Source

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Weniger Umsatz, kleinere Margen – neue Strategie?

Microsoft bekommt wegen des zunehmenden Erfolges von Open-Source-Software offenbar kalte Füße. In einer offiziellen Pflichtmitteilung an die amerikanische Börsenaufsicht SEC Ende Januar warnt der Konzern davor, er könnte zu Preissenkungen bei seinen Produkten gezwungen sein, die Umsätze könnten geringer ausfallen, wenn Betriebssysteme wie Linux in Zukunft deutlich mehr Anwender finden.

“Die Open-Source-Bewegung durchdringt immer mehr Kundenschichten und ist damit weiterhin eine ernsthafte Bedrohung des Microsoft-Geschäftsmodells – gerade weil sich die Befürworter des Open-Source-Modells weltweit besonders um Regierungsstellen bemühen. Dort könnte bei Anschaffung und Entwicklung die Entscheidung zu Gunsten freier Software fallen.”

In der Folge könnten nicht nur die Umsätze leiden, sondern auch die Gewinnmargen. Beobachter weisen allerdings darauf hin, dass Microsoft schon in früheren Pflichtmitteilungen den Aktionären gegenüber ähnliche Warnungen ausgesprochen hat. Die Formulierungen seien meist etwas überzogen, um nach einer negativen Aktienentwicklung Schadenersatzansprüche von vornherein zu blockieren.

silicon meint: Vor kurzem auf der Comdex haben doch einige Analysten laut darüber nachgedacht, ob nicht auch Microsoft in Zukunft gezwungen sein könnte, Open-Source-Software zu vertreiben. Auch wenn es so weit nicht kommen sollte, wird sich der Konzern aus Redmond wohl doch ernsthaft mit dem veränderten Markt auseinandersetzen müssen. In der Folge wird es diejenigen Microsoft-Produkte nicht mehr geben, für die es Open-Source-Alternativen gibt, die besser und günstiger sind. Damit aber kann Microsoft seine Verlustbringer – neue, oft unausgereifte Produkte – nicht mehr im gewohnten Ausmaß quersubventionieren. Die Gates-Ballmer-Truppe muss also vor allem flexibel und elastisch in ihren Strategien bleiben. Tragfähige Produkte haben sie noch ausreichend im Portfolio.