Java-Prozess: Richter erteilt Microsoft schwere Hausaufgaben

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Microsoft könnte zu vollem Support verdonnert werden

In Baltimore hat der Java-Prozess begonnen, in dem Sun Microsystems seinen Konkurrenten Microsoft zwingen will, seine Betriebssysteme mit der Java-Plattform auszuliefern. Das wäre eine “interessante Sanktion” für Microsofts Verstöße gegen das Kartellrecht, meinte Richter Frederic Motz nach dem ersten Austausch der Argumente. Das sei “eleganter”, als erst nach einer Verschiebung im Markt Wirtschaftsfachleute mit einer Bereinigung zu beauftragen.

Microsofts Anwalt David Tulchin betonte, der Softwarekonzern sehe nicht ein, warum er die harte Vertriebsarbeit für Sun übernehmen sollte: “Das Kartellrecht wurde nicht geschaffen, um einem Softwarehersteller zu einer Freifahrt auf der Plattform seines Konkurrenten zu verhelfen.” Die Verstöße gegen Lizenzabkommen mit Sun seien “Geschichte” und längst gerichtlich beigelegt.

Anfang des vergangenen Jahres hatte Microsoft eine Vergleichssumme von 20 Millionen Dollar an Sun gezahlt. Der Konzern aus Redmond erkannte nach einem langwierigen Prozess schließlich an, dass er gegen die Lizenzvereinbarung für Java verstoßen hatte, als die Software in eine proprietäre Version für Windows-Plattformen abgewandelt wurde.

Suns Anwalt Rusty Day hingegen argumentierte nun, dass Microsoft gezwungen werden sollte, Java vollständig zu unterstützen. Denn schließlich sei offensichtlich, dass Microsoft beabsichtige, Java mit seiner Dot-net-Plattform auszuradieren. Day zog eine enge Parallele zum Brwoser-Krieg, an dessen Ende Netscape sich dem Internet-Explorer aus Redmond geschlagen geben musste.

Richter Motz betonte mehrmals, er sehe sich durch die Urteile anderer Gerichte nicht gebunden. Daher sei es durchaus möglich, dass die Microsofts Strategie, Java in der aktuellen Windows-Version nicht zu unterstützen, durchaus die Grundlage für eine sanktionierende Maßnahme sein könne.

Außerdem äußerte der Bundesrichter Unverständnis über das Urteil seiner Kollegin in Washington D.C. “Ich war sehr erstaunt darüber, dass Richterin Collar-Kotelly eine Java-Verpflichtung für Microsoft in Bausch und Bogen abgelehnt hat.”