Microsoft fürchtet Erfolg von Linux im Unternehmen

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Und im Open-Source-Lager rumort es gewaltig

Microsoft sieht sich auf dem Markt für Office-Software auf dem Desktop mittlerweile direkt von einem Erfolg des Open-Source-Betriebssystems Linux und dessen zahlreichen Applikationen bedroht. In ungewohnt offener Weise hat sich der Finanzchef des Softwareriesen, John Connors, dazu auf einer Konferenz in Scottsdale im US-Bundesstaat Arizona geäußert.

Das künftige Wachstum Microsofts werde “beeinträchtigt”, so Connors, sollte Linux im Unternehmensumfeld “zu einem Phänomen werden”. Auf dem Servermarkt muss sich Microsoft allerdings schon einer sehr viel stärkeren Konkurrenz durch den Unix-Ableger erwehren.

Connors machte gleichzeitig deutlich, dass trotz zahlreicher Rückschläge die Spielekonsole X-Box weiter unterstützt werden soll. Nötigenfalls würden die Investitionen verdoppelt, um die Plattform gegen die Konkurrenz durchzusetzen.

Für Aufsehen sorgte einer der Gegenspieler des Redmonders Konzerns, als auch er ernsthafte Befürchtungen äußerte: Matthew Szulik, Chef des Linux-Distributors Redhat, warnte vor den Folgen der gegenwärtigen Strategie Microsofts. Die Klagen wegen Verstößen gegen Patentrechte seien eine ernsthafte Bedrohung für den Teil der Softwareindustrie, der auf freie Plattformen setze.

Schon allein die immensen Kosten für Rechtsstreitigkeiten seien nicht zu vernachlässigen, so Szulik. “Demnächst wird Linux wohl auch noch mit Osama bin Laden gleichgesetzt.” Microsoft-Mitbegründer Steve Ballmer hatte die Open-Source-Bewegung kürzlich mit einem Krebsgeschwür verglichen.

“Mehr Wettbewerb ist gut”, gab der Redhat-Boss in Boston zu bedenken. “Wir haben ja in den vergangenen 23 Jahren gesehen, was passiert, wenn wir zu wenig Wettbewerb haben.” Allerdings sieht Szulik auch die United-Linux-Initiative einer Reihe von anderen Distributoren als ernsthafte Konkurrenz. “Da ist genug Platz für mehr als eine führende Linux-Distribution im Markt für nicht-proprietäre Software.”

Auch das deutsche Softwarehaus Suse gehört zur United-Linux-Gruppe. Bei Gründung hatten die Mitglieder noch darauf gehofft, auch Redhat mit an Bord holen zu können. United Linux hat vor kurzem seine erste Plattform vorgestellt, die es vor allem Unternehmenskunden erleichtern soll, ihre IT auf einer einheitlichen Linux-Grundlage aufzubauen.