Linux-Distributor Suse hat Geburtstag

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… und der IT-Chef der Deutschen Bank äußert Wünsche

Es geht um Linux. Und hier lässt der IT-Chef der Deutschen Bank, Josef-Hermann Lamberti, keine Zweifel aufkommen. Er ist treuer Kunde der Suse Linux AG, die derzeit ihr zehnjähriges Bestehen feiert. Außerdem kommt deren erstes, auf United Linux 1.0 basierendes Produkt heraus. Für Lamberti zählt, dass das Open-Source-Betriebssystem billig ist, aber auch leistungsstark.

“Linux auf dem Desktop wird insgesamt den Erfolg von Linux bestimmen”, sagte Lamberti auf der Suse-Geburtstagsfeier im Interview mit silicon.de. Und er fügt hinzu: “Der Gedanke an ein zweites Redmond ist grausam.” Der Linux-Distributor kündigt derweil an, es werde nicht mehr lange dauern, bis sämtliche Office-Anwendungen ohne aufwändige Anpassungen unter Linux lauffähig seien. Damit aber wäre Linux sowohl für kleine und mittlere Unternehmen interessant, als auch für den Heimanwender.

Die Kommune Schwäbisch Hall wird dezidiert zu den Nutzern gehören, die Linux-Desktops einsetzen. Gestern gab Oberbürgermeister Herman-Josef Pelgrim bekannt, einen entsprechenden Vertrag mit der Firma aufgesetzt zu haben. Die Gemeinde mit 36 000 Einwohnern setzt im Backend ohnehin schon Linux-Server ein.

Doch die meisten Unternehmen zögern immer noch, ihre Anwender auf Linux-Systeme loszulassen. Sie befürchten Einbußen im Funktionsumfang der Anwendungen. Außerdem geht die Angst um, dass Schnittstellenprobleme einen reibungslosen Austausch von Dokumenten verhindern könnten.

Deshalb ließe sich auch der Prophezeiung Lambertis hinzusetzen: “… aber im Backend spielt die Musik!” Hier zeigt das Betriebssystem, dass es nicht nur in der Anschaffung vergleichsweise preisgünstig ist, sondern vor allem im Betrieb und in der Handhabung. Außerdem, betont der Deutsche-Bank-Vorstand, erweist sich die Plattform als besonders leistungsstark. “Wir haben die Erfahrung. Zu diesem Preis kann heute keiner der etablierten Hardwarehersteller mehr ein Unix anbieten.”

Tatsächlich gehen die Linux-Portierungen bei der Deutschen Bank hauptsächlich zu Lasten von Solaris, “aber auch auf Kosten anderer Unix-Derivate und Windows”, wie Lamberti hinzufügt. Zudem handle es sich bei den Anwendungen um für die Bank kritische Applikationen, nicht “um Pipifax”.

Lamberti spricht von mindestens fünf solcher Systeme. Darunter befinde sich auch eine Risiko-Analyse für das Geschäft mit Kreditderivaten. Die Portierung der Pilotinstallation in London von Solaris auf Linux sei nach nur drei Tagen abgeschlossen worden. Die Verteilung über 40 Server habe lediglich vier Stunden in Anspruch genommen.

Nun laufe die Anwendung bis zu 20 mal schneller als vor der Portierung. Eine Portfolio-Analyse beispielsweise, die zuvor vier Stunden benötigte, sei nun binnen 20 Minuten abgeschlossen. Das überzeugende Ergebnis veranlasst die Deutsche Bank, für das weltweite Roll-out nun 400 weitere Server mit Linux zu bestücken.

Von der Linux-Gemeinde wünscht sich Lamberti jedoch die Entwicklung in Richtung Clustering, so dass sich etwa Datenbankprozesse über verschiedene Hardware verteilen lassen. Explizit spricht er die RAC-Technik von Oracle an.

“Eine Plattform zu haben, das reicht nicht”, sagt er. Vielmehr müssten sich Distributoren und sämtliche Entwickler um die Integration von Middleware und anderen Systemkomponenten bemühen.

Eine möglicherweise fehlende Richtung in der Weiterentwicklung des Open-Source-Betriebssystems sieht er aber tatsächlich als Gefahr. Eine andere bestehe demnach in der Zersplitterung. So macht Lamberti darauf aufmerksam, dass es derzeit Diskussionen um Rechte an Linux-Bestandteilen gebe.

Einer solchen Bedrohung des Open-Source-Gedankens steht aber unter Umständen die Konzentration auf zwei Player im Linux-Markt gegenüber: Red Hat und United Linux.

Laut IDC macht Red Hat etwa 40 Prozent des weltweiten Linux-Geschäfts. Die Anbieter SCO, Connectiva, Turbolinux und Suse, die hinter dem Projekt United Linux stehen, kommen auf 20 Prozent.

Jetzt wollen die Firmen in Las Vegas die Version 1.0 ihrer gemeinsamen Basis der Öffentlichkeit vorstellen. Das Beta-Release, das im September zum Download bereit gestellt wurde, ist in gut einem Monat über 15 000 mal aus dem Web geladen worden.

Ab morgen ist dann auch das Suse-Produkt Enterprise Server 8 verfügbar, das auf dem ersten Release-Stand von United Linux basiert – ein guter Zeitpunkt also, um Geburtstag zu feiern.

Einen Wermutstropfen gibt es dennoch: Die wirtschaftliche Situation könnte besser sein. Nachdem die Mannschaft von 550 auf 380 geschrumpft wurde, konnte der Nürnberger Anbieter im vergangenen Jahr rund 38 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften. Einen Verslust gab es nicht. Trotzdem wurde im Februar dann eine weitere Finanzierungsrunde notwendig.

Derzeit weist Suse ein Wachstum in zweistelliger Höhe aus. Der Umsatz wird in diesem Jahr auf rund 45 Millionen Euro steigen. Dennoch reiche es nur zu einem “annähernd ausgeglichenen Ergebnis”, wie Suse-CTO Boris Nalbach kalkuliert.