Napster-Reste kommen unter den Hammer

EnterpriseSoftware

Softwarefirma sammelt die Brosamen, die Middelhoff fallen ließ

Für die Reste der einstmals populärsten Musiktauschbörse Napster hat sich erneut ein Käufer gefunden. Die amerikanische Softwarefirma Roxio Inc. will die Vermögenswerte der seit fast einem halben Jahr in einem Konkursverfahren befindlichen Tauschbörse erwerben. “Der Napster-Kauf wird unsere Rolle in der digitalen Medienlandschaft erweitern und unsere Verbraucherprodukte stärken”, sagte Roxio-Chef Chris Gorog gegenüber der US-Presse.

Das Unternehmen wolle mit seinen Partnern in der Unterhaltungsbranche kooperieren und weitere Pläne in den kommenden Monaten vorlegen. Die Softwareschmiede werde fünf Millionen Dollar in bar und 100 000 Bezugsrechte für Roxio-Aktien zahlen. Auch der neue Besitzer hat Narben vorzuweisen: Die Roxio-Aktien notieren momentan mit 3,38 Dollar gegenüber 25,30 Dollar im April vergangenen Jahres.

Roxio wird als Teil der Transaktion auch die Technologie-Patente erhalten. Napster hatte es als eine der ersten Tauschbörsen im Internet ermöglicht, dass ihre Nutzer digitale Musikstücke gegenseitig tauschen konnten. Das Softwareunternehmen will diese Technologie für den Vertrieb seiner Produkte nutzen. Roxio verkauft Software zum CD-Brennen sowie Multimedia-Programme für die Erstellung, Verwaltung und Bearbeitung von digitalen Bildern, Musik und Videos. Das Unternehmen, das 400 Mitarbeiter beschäftigt, vertreibt seine Produkte über das Internet sowie in Kooperation mit Herstellern von PC- und CD-Brennern.

Weitere Napster-Verbindlichkeiten, etwa die aus laufenden Klagen durch die großen Musikkonzerne, wolle das Unternehmen nicht übernehmen, hieß es. Alle großen Plattenfirmen hatten die Tauschbörse über Jahre wegen Urheberrechtsverletzung auf Schadenersatz in Millionenhöhe verklagt.

Dem Kaufersuchen muss der Konkursrichter noch zustimmen. Der Abschluss der Transaktion soll nach dem Willen von Roxio am 27. November erfolgen. Zuletzt war das deutsche Medienunternehmen Bertelsmann, das seit dem Jahr 2000 rund 80 Millionen Dollar in Napster gesteckt hatte, der einzige Bieter für die Napster-Reste. Der Medienkonzern hatte über Jahre hinweg große Pläne mit dem Publikumsmagneten und wollte die dahinter stehende Technologie für den Aufbau eines ersten gebührenpflichtigen Musikangebots im Internet nutzen. Nach dem Ausscheiden von Thomas Middelhoff als Konzernchef vollzog das Unternehmen schließlich eine strategische Kehrtwende und gab seine Internet- und e-Commerce-Pläne auf. Napster hatte in seiner Blütezeit rund 65 Millionen Kunden.