Microsoft: Falsche Kommunikationsstrategie im Kampf gegen Linux

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Dämonisieren und Verurteilen bewirkte das Gegenteil …

Ein internes Microsoft-Memo, das mittlerweile auf der Website der Open Source Initiative publiziert wurde, kritisiert die bisherige Kommunikationspolitik des Monopolisten in Sachen Linux. So seien Botschaften von Microsoft, die das Open-Source-Modell, Linux und die General Public License (GPL) kritisieren, auf wenig Gegenliebe gestoßen und hätten teilweise genau das Gegenteil bewirkt.

Sowohl Microsofts CEO Steve Ballmer als auch Bill Gates haben in der Vergangenheit heftige verbale Attacken gegen Open Source gefahren. Ballmer bezeichnete die Bewegung als “Krebsgeschwür”, während Gates dadurch die Prinzipien des freien Marktes und des Kapitalismus gefährdet sah.

Die im Memo enthaltene Kritik basiert auf einer Marktforschung, die in der zweiten Hälfte des letzten Jahres durchgeführt wurde. In deren Rahmen wurden IT-Profis, Entwickler und Business-Entscheider aus Industrie und öffentlichem Sektor in USA, Deutschland, Frankreich, Schweden, Japan und Brasilien telefonisch befragt. Die Umfrage förderte eine äußerst positive Einstellung der Befragten gegenüber Open Source und Linux zutage, insbesondere außerhalb der USA.

So brachten deutsche IT-Profis das meiste Wohlwollen für Open Source Software (OSS) und Linux auf, gefolgt von den Brasilianern und den Franzosen. Offenkundig wurde auch, dass das Interesse an OSS steigt und deren Einsatz immer ernsthafter als Alternative zu proprietärer Software in Erwägung gezogen wird, je mehr die Anwender sich mit dem Thema auseinander setzen.

Der am häufigsten angeführte Grund für die Unterstützung von Open Source war der Vorteil in Sachen Total Cost of Ownership (TCO) – allerdings nicht der einzige. Besonders in Europa wird seitens der Befragten “eine Alternative zu Microsoft” als Grund angeführt, was als Problem für Microsoft auf der emotionalen Ebene interpretiert werden kann. In Frankreich wurde dieser Grund sogar von 61 Prozent der Befragten angegeben, in Deutschland waren es 37 Prozent.

Die Konsequenz aus den Erkenntnissen der Umfrage für Microsoft: Eine Mäßigung des Software-Riesen im Ton und eine Weiterführung der Debatte auf sachlicher Ebene. Total Cost of Ownership heisst das magische Wort. Mehr als der verbale Kleinkrieg verfeindeter Lager seien Argumente entscheidend, die den Geldbeutel betreffen.