Mobiles Internet: Deutschland läuft den Chancen hinterher

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Denkfehler: M-Business taugt nicht nur für Junge und Reiche

Dem mobilen Internet gehört die Zukunft. Diverse Analysten schreiben der Verheiratung von Telekommunikation und dem Web sagenhafte Marktchancen und gesellschaftliche Umbrüche zu. In Deutschland allerdings stehen die Chancen jedoch schlechter, als von einem Hightech-Land zu erwarten ist. Im internationalen Vergleich rangiert Germany auf Platz 17 – noch hinter Österreich.

Aufgestellt hat die Rangliste die Branchenvereinigung International Telecommunication Union (ITU). Sie findet sich in einer insgesamt 240 Seiten starken Studie mit dem Titel “Internet for a Mobile Generation”. Die Grundlage dafür bilden rund 200 nationale Ökonomien.

Sowohl der Mobilfunk als auch das Internet haben für sich genommen im letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts das Verhalten bei den Konsumenten entscheidend vorangetrieben. Doch um die Zukunft des mobilen Internets zu beurteilen, müsse man die Märkte und Infrastrukturen beider Techniken betrachten, erläutert Tim Kelly, Chef der Strategie-Abteilung der ITU.

So liege Indien im Internet-Gebrauch zwar sehr weit vorne. Doch die Verbreitung und Nutzung von Handys sei zu vernachlässigen. Die Philippinen dagegen nutzten sehr stark den Mobilfunk zum Telefonieren, doch das Internet spiele keine nennenswerte Rolle.

Darüber hinaus gibt es aber auch keinen Automatismus, der Wohlstandsstaaten zu den führenden Mobil-Ländern werden lässt. So liegen die Philippinen immerhin noch auf Platz 33, Rumänien auf dem 37. Platz, Peru auf dem 39. Platz und die Dominikanische Republik auf Rang 41. Die Führung übernehmen Hongkong, Dänemark, Schweden, die Schweiz und die Vereinigten Staaten.

Der Report findet zudem eine Erklärung für die vergleichsweise langsame Verbreitung der Konvergenz, die die Telekommunikationsbranche in arge Bedrängnis bringt. Es gebe ein Henne-Ei-Problem. So wollen Investoren Beweise dafür sehen, dass der Markt für mobile Internet Services existiert. Doch die gibt es noch nicht. Denn die Provider müssen erst massiv in eine entsprechende Infrastruktur investieren.

Als Beispiel nennt die Studie die Local based Services. Hierbei können die Funknetzbetreiben ein Handy aufgrund seines Funksignals lokalisieren. Damit wird es möglich, dem Träger des Mobiltelefons Angebote und Informationen aus seinem Umkreis gezielt zuzuspielen.

Zugleich stellt die ITU-Untersuchung aber auch fest, das SMS und I-Mode schon längst die Art und Weise verändert hat, wie Menschen miteinander kommunizieren. Allein im ersten Quartal 2002 sind rund 24 Milliarden SMS-Briefchen versandt worden.

Bekanntermaßen nutzen hauptsächlich Jugendliche die Handy-Nachrichten. So liegt es nahe, diese Zielgruppe auch als die Kraft zu sehen, die das mobile Internet forciert. Darin besteht laut Studie jedoch die Gefahr, andere Gruppen zu ignorieren, zum Beispiel die Senioren. Sie verfügten jedoch über eine erhebliche Kaufkraft.

Das mache derzeit das in Japan angebotene “Raku-Raku”-Handset deutlich, so die ITU-Analyse. Das Gerät verfügt über größere Tasten und Display als ein übliches Handy und das Display ist größer, so dass die Schrift besser lesbar ist. Raku-Raku wurde bislang rund 200 000 mal verkauft.