Sony-Ericsson lässt CDMA fallen

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Forschungsabteilung auch in Deutschland betroffen

Der Handyhersteller Sony-Ericsson wird in Zukunft keine CDMA-Geräte für den nordamerikanischen Markt mehr herstellen. Gleichzeitig kündigte das Jointventure-Unternehmen an, seine Forschungs- und Entwicklungsabteilungen in North Carolina und München zu schließen. Betroffen sind 500 Mitarbeiter, oder 12,5 Prozent der Belegschaft.

Die Entscheidungen machen erneut deutlich, wie schwer sich das Gemeinschaftsunternehmen von Sony und Ericsson auch drei Jahre nach seiner Gründung tut. Weltweit hat die Mobilfunktechnologie CDMA (Code Division Multiple Access) zwar nur einen Anteil von 18 Prozent. In den USA und Kanada konkurrieren trotzdem neben Nokia und Motorola auch Samsung und LG Electronics um die Gunst der Kunden.

Für den asiatischen Markt werde Sony-Ericsson aber weiterhin CDMA-Geräte fertigen, heißt es aus dem Unternehmen. Die dort verwendete Technik unterscheidet sich von dem nordamerikanischen Standard. Sony-Ericsson wolle sich nun vor allem auf GSM-Technik (Global System for Mobile Communication, mit einem Verbreitungsgrad von weltweit 75 Prozent) und die darauf aufbauenden Techniken EDGE und UMTS konzentrieren.

Nach Meinung von Analysten müsste Sony-Ericsson noch einmal massiv in CDMA investieren, um gegen die Konkurrenz bestehen zu können. Dafür aber fehlen dem Unternehmen dei Mittel. Das Jointventure steht ohnehin unter erheblichem Druck, bis Jahresende schwarze Zahlen zu liefern. Sollte dieses Ziel verfehlt werden, drohen die beiden Mutterkonzerne mit einem Abbruch des Experiments Sony-Ericsson.

Für das erste Quartal meldet das Unternehmen einen Verlust von mehr als 114 Millionen Dollar. Der Marktanteil verringerte sich in den vergangenen Jahren von 10 auf jetzt nur noch 5 Prozent. Das bedeutet weltweit nur Platz Fünf.

Noch ist unklar, wie sich die Entscheidung gegen CDMA auf den Halbleiterhersteller Qualcomm auswirken wird. Das kalifornische Unternehmen ist im Besitz eines Großteils der CDMA-Patente und hat mit der Lizenzierung Milliarden verdient.

Erst vor wenigen Wochen hatten US-Politiker versucht, CDMA als Mobilfunktechnik im Irak durchzusetzen, um Qualcomm unter die Arme zu greifen. GSM galt den Lobbyisten als europäische Technik, die wegen des Antikriegskurses von Frankreich und Deutschland nicht zum Zug kommen sollte. Jetzt aber bauen verschiedene Firmen zwischen Euphrat und Tigris ein provisorisches GSM-Netz auf.