Europas Mobilfunker bekommen “mangelhaft” aus Japan

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Noch immer keine anständige ‘Value-Chain’

Kurz vor der Einführung von UMTS-Diensten in Deutschland bekommen die europäischen Netzbetreiber vom japanischen Vorreiter NTT Docomo noch einmal ordentlich den Kopf gewaschen. Auf der Mobilfunkkonferenz M-Business 2003 in Wien kritisierte I-Mode Europachef Yusuke Kanda vor allem, dass die Carrier noch immer keine tragfähigen Werteketten für ihre Datendienste geschaffen hätten.

I-Mode, so Kanda, konnte in Japan nur deshalb zum Erfolg werden, weil die Plattform offen für Drittanbieter sei. UMTS werde sich erst dann durchsetzen, wenn es vergleichbare Preise, Dienste und Bedienbarkeit gebe wie bei Diensten im GSM-Netz.

Der I-Mode-Experte forderte die Beteiligten daher auf, sich beser aufeinander abzustimmen. Nur wenn das Zusammenspiel zwischen Mobilfunkanbietern, Technik und Content-Lieferanten stimme, könne das “Ökosystem Mobilfunk” auch funktionieren. Schließlich betreibe NTT Docomo seine I-Mode Dienste mit Partnern in Japan, Großbritannien, Frankreich, Spanien, den Niederlanden und Deutschland auch nicht zum Selbstzweck, sondern “weil wir damit Geld verdienen”.

Angesichts der trüben Stimmung auf dem Mobilfunkmarkt dürfte den Verantwortlichen eine Beispielrechnung des Kongresses die Augen übergehen lassen: Vergleicht man den möglichen Gewinn pro übertragenem Megabyte im Mobilfunknetz kommt man bei Multimedia-Nachrichten auf 50 Euro, bei SMS-Kurzmitteilungen immerhin auf 1500 Euro. Werden allerdings Klingeltöne für Handy an die Kunden ausgeliefert, bleiben 14 000 Euro pro Megabyte Datenmenge beim Anbieter hängen.

Nimmt man die derzeit diskutierten Preise für UMTS-Dienste als Grundlage, würde sich die Übertragung von ganzen Kinofilmen über das Mobilfunknetz überhaupt nicht rechnen. Hier bliebe gerade mal ein Cent übrig.