Forrester: UMTS ist nur ein Dienst unter vielen

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Gezwungener Optimismus der Industrie

Die Frage, ob UMTS den Aufschwung der TK-Branche anführen und ein Wachstumstreiber sein wird, ist und bleibt heftig umkämpft. Analysten wie Lars Godell, Chefanalyst für den europäischen TK-Markt beim Marktforschungsunternehmen Forrester Research, sind zwar vom Erfolg der Technik auch für die Betreiberkassen überzeugt – allerdings erst in etwa zehn Jahren.

Die Betreiber hingegen verbreiten Optimismus und wollen den Break-Even in naher Zukunft sehen, wenn möglich schon Ende des Jahres. T-Mobile-Chef René Obermann setzt auf “grundlegende menschliche Bedürfnisse” bei den Diensten und in der Strategie. Das sind die beiden Lager, in die sich die UMTS-Welt derzeit auf einer internationalen Telekom-Pressetagung in Berlin spaltet.

Obermann betont zunächst: “Mit unseren Diensten und unseren innovativen Strategien werden wir den Erfolg von UMTS, das wir Ende des dritten Quartals 2003 im eigenen Netz in 200 deutschen Städten in Betrieb nehmen werden, auch bald greifbar machen können.”

Er verwahrte sich aber gleichzeitig dagegen, dass “ein einzelner UMTS-Breakeven denkbar wäre. Das ist bei uns Teil der Gesamtstrategie.” Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke springt ihm bei: “Es ist unsere Eigenart als Deutsche, immer die Skepsis in den Vordergrund zu rücken. Aber wir werden das Regelwerk, das mit den UMTS-Lizenzen verbunden ist, erfüllen.”

Und das sieht vor, dass die Lizenznehmer Ende des Jahres mindestens ein Viertel der Gesamtbevölkerung theoretisch mit UMTS versorgen können müssen. Dabei beschäftige ihn nicht, was mit den Lizenzen der Mitbewerber geschehe, “die dieses Ziel nicht erreicht haben”. Allerdings spricht Ricke sich dafür aus, die Lizenzen “einfach vom Markt zu nehmen”.

Ricke: “Wir werden uns durch nichts nervös machen oder vom Weg abbringen lassen, den wir mit unserer Lizenz eingeschlagen haben.” Ähnlich sieht es auch Obermann, der die ersten Erfolge bereits im Herbst vorweisen will.

Forrester-Analyst Godell warnt dagegen vor zu viel Euphorie. “Selbstverständlich ist der Bedarf für UMTS da. Nur nicht überall und in allen Bevölkerungsschichten”, meint er. “Die UMTS-Technik wird sehr stark mit anderen drahtlosen Angeboten wie W-LAN, Bluetooth und ähnlichen Diensten konkurrieren. Mit dem Nachteil für UMTS, dass diese Dienste bereits vorhanden sind und die unmittelbare Erlebniswelt und der Wert sich für die Nutzer bereits erschließt.”

Für Godell stehen drei Gründe für diese Sicht: “Erstens ist UMTS viel später gekommen, als von den Betreibern versprochen, was die Akzeptanz nicht gerade fördert. Zweitens wollen die Mobilfunkkunden dafür kein Geld ausgeben, was die Rechnung der Betreiber ad absurdum führt. Und drittens kommen die Innovationen aus anderen Branchen.”

So nimmt Forrester aufgrund von Marktforschungen an, dass im Jahr 2007 erst 10 Prozent, und nicht, wie von den Betreibern angenommen, 50 Prozent der Bevölkerung UMTS nutzen werden. Außerdem rechnet er vor, dass bei einer Umfrage Ende vergangenen Jahres herauskam, dass nur 24 Prozent der befragten Mobilfunknutzer bereit wären, kostenpflichtige UMTS-Inhalte zu nutzen. Wären die UMTS-Inhalte kostenfrei verfügbar, könnten sich immerhin 72 Prozent der Mobilfunkkunden dafür begeistern.

Schwer wiegt seiner Ansicht nach auch, dass das Geschäftsmodell für das Vertrauen auf Content “nichts tauge”. “Content ist nicht wirklich der König, Kommunikation dagegen schon.”

Diverse repräsentative Meinungsumfragen in den 15 Mitgliedsländern der Europäischen Union hätten ergeben, dass die Kunden etwa ein Siebtel mehr für Kommunikation ausgeben werden als für Content. Er führt das auf die “grundlegenden sozialen Bedürfnisse” der Menschen zurück. Die selben Bedürfnisse übrigens, die Obermann sich für sein Geschäftsmodell auf die Fahne schreibt.