Moore’sches Gesetz tot? Noch lange nicht!

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Intel backt mal wieder kleinere Chips

Mit einer neuen Prozesstechnologie hat Intel eine weitere signifikante Verkleinerung der Chipgeometrien geschafft. Der Hersteller widerlegt damit Unkenrufe, das so genannte Moore’sche Gesetz sei künftig nicht mehr wirksam.

Dieses von dem Intel-Mitbegründer Gordon Moore im Jahre 1965 ausgestellte Postulat besagt, dass die Industrie alle zwei Jahre die Zahl der Transistoren verdoppelt.

Jetzt hat Intel eine Technologie vorgestellt, die abermals komplexere und leistungsfähigere Schaltkreise ermöglicht. Kern der Innovation ist die Verkleinerung der Chipstrukturen auf 90 Nanometer – bisher war 130 Nanometer das Minimum. Kombiniert mit neuen Materialien und Kupfer-Verbindungen auf dem Chip gegenüber dem bisher weithin üblichen Aluminium will Intel die Abmessungen und den Energiebedarf der Transistoren weiter senken und gleichzeitig die Taktfrequenzen erhöhen.

Ab 2003 sollen in Intels Halbleiterwerk in Hillsboro, Oregon, die neuen Chips vom Band laufen. Der Hersteller erhofft sich einen weiteren Kostensenkungseffekt dadurch, dass er die Fertigung in der neuen Prozesstechnologie ausschließlich auf 300-Millimeter-Wafern durchführen will. Als erstes wird der Pentium-Nachfolgeprozessor von der Technik profitieren, der zur Zeit unter dem Projektnamen “Prescott” die Entwicklerköpfe rauchen lässt. Seine Markteinführung ist für die zweite Jahreshälfte 2003 geplant.

Um zu demonstrieren, wie gut der Hersteller den neuen Prozess bereits unter Kontrolle hat, zeigte er jetzt einen Speicherchip mit 52 MBit Kapazität. Es handelt sich dabei nicht um eines der üblichen vergleichsweise langsamen DRAMs, sondern um ein schnelles Static RAM (SRAM), wie es etwa in Prozessorchaches eingesetzt wird. Mit der neuen Technik lässt sich eine Speicherzelle auf nur einem Quadratmikron Grundfläche anordnen – in der Praxis bedeutet das künftig eine wesentlich üppigere Ausstattung der Prozessoren mit Cache-Speicher und damit mehr Geschwindigkeit.

Bei den Transistoren in der neuen Intel-Technik ist die Gate-Schicht nur noch 1,2 Mikron dick, gerade einmal fünf Atomlagen. Die Frage drängt sich daher auf, wie lange sich Moore’s Law noch aufrechterhalten lässt. Der Prozessor-Pionier Intel gibt sich da recht zuversichtlich. “Mindestens noch bis in die nächste Dekade hinein”, sagt Mark Bohr, ein bei Intel mit dem seltenen Titel des “Fellow” hoch dekorierter Technologe.

silicon meint: Na, wer sagt’s denn. Voreilige Kleinmut wird meist widerlegt. Intel hat die Nase vorne – ein Ansporn für die Konkurrenten wie AMD und wie sie alle heißen mögen. Jede Wette, dass nicht nur die Leistung der Chips weiter steigt, sondern auch der Preis weiter fällt. Ohne einen spezifischen Hersteller über den grünen Klee loben zu wollen: Das ist der Stoff, aus dem der Fortschritt besteht.