Sun öffnet Türchen für Linux

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Erster Allround-Server mit Open-Source-Betriebssystem

Jahrelang galt Sun Microsystems als einer der härtesten Linux-Abstinenzler – jetzt hat das Unternehmen eine Serverlinie begründet, die für den Betrieb unter dem Open-Source-Betriebssystem konzipiert ist. Noch in einer anderen Beziehung hat Unternehmenslenker Scott McNealy den Sprung über den eigenen Schatten geschafft: Die Rechner sind nicht mit den hauseigenen Ultrasparc-Prozessoren bestückt, sondern mit Chips von Intel.

“Solaris ist unsere Implementierung von Linux”, hatte McNealy noch im Dezember 2000 die wachsende Schar der Linux-Freunde abgebürstet. Jetzt beweist der für seine kämpferische Rhetorik bekannte Manager Flexibilität: Auf der am Montag beginnenden Branchenmesse Linux World stellte McNealy eine Serverfamilie vor, die unter dem einst verspotteten Betriebssystem läuft.

Zum Sinneswandel McNealys dürften die jüngsten Marktumfragen beigetragen haben. Demnach wächst die Nachfrage nach Linux-Servern wesentlich schneller als diejenige von Unix-Maschinen. Insgesamt hat Sun ein Marktvolumen von vollen 3 Milliarden Dollar bisher links liegen lassen, und das soll sich nun ändern.

Einstweilen weist der Hersteller dem Neuling mit der Typenbezeichnung LX 50 einen Platz fern der unternehmensstrategischen DV-Aufgaben zu: Er soll im “Edge” des Netzwerks seine Arbeit tun, etwa als Webserver oder als Plattform für kleinere Applikationen. “Wir sehen ihn als Ersatz für traditionelle NT-Maschinen”, beschreibt Produktmanager Robert Zwickenpflug die Einsatzgebiete der neuen Maschine.

Mit ihr tritt Sun in den Wettbewerb gegen Unternehmen wie HP, Dell oder IBM, die schon vor einiger Zeit auf den Linux-Zug aufgesprungen sind.

Der LX 50 ist mit einem oder zwei Pentium-III-Prozessoren von Intel sowie maximal zwei SCSI-Festplatten bestückt und lässt sich mit bis zu 6 GByte Arbeitsspeicher ausrüsten. Seine Abmessungen von einer Höheneinheit in der Vertikalen (etwa 3,7 cm) prädestiniert ihn für den Einbau in Server-Racks.

Die Auswahl von Intel als Prozessorlieferant sei für Sun keine “religiöse” Frage gewesen, kommentiert Zwickenpflug. Bisher hatte Sun Intel immer die kalte Schulter gezeigt; die Low-end-Appliances der Cobalt-Produktlinie, die Sun ebenfalls fertigt, sind mit Chips des Intel-Rivalen AMD bestückt. Mit diesen Appliances sei die neue Serverlinie übrigens keinesfalls zu verwechseln, so Zwickenpflug, denn bei den LX50-Maschinen habe man es mit echten General-Purpose-Rechnern zu tun.

Bei dem vorinstallierten Betriebssystem handelt es sich um eine an die Hardware angepasste Linux-Variante, die zu Redhat 7.2 kompatibel ist. Zu der recht umfangreichen Softwareausstattung gehören unter anderem der Java-Server Tomcat, die Open-Source-Datenbank MySQL, der Webserver Apache, der Mail Transfer Agent Sendmail, die Java-Entwicklungsumgebung Java 2 SE 1.4, Suns Grid Engine Agent und vieles mehr.

Auch andere Linux-Varianten lassen sich implementieren, sogar – man denke! – Microsofts Windows XP Server. “Allerdings erlischt dann die Softwaregarantie”, warnt Sun-Manager Zwickenpflug Anwender vor Betriebssystem-Abenteuern. Und natürlich läuft die Maschine auch unter Solaris.