LTO gegen DLT: Schlammschlacht der Tape-Anbieter

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“Schneller und dicker” gegen “Ich war zuerst da!”

Der Kampf um die rechte Bandspeichertechnik – Digital Linear Tape (DLT) oder Linear Tape Open (LTO) – tobt. Die Analysten sehen einen sich immer mehr zuspitzenden Konkurrenzkampf zwischen den beiden rivalisierenden Technologien. Als Grund hierfür sehen US-Analysten eine abflachende Verkaufskurve für High-End-Bandspeicher. Sogar von einer sich abzeichnenden Marktsättigung ist die Rede.
Während die DLT-Technik des Herstellers Quantum im Midrange-Bereich derzeit unangefochten regiert, pirscht sich mit LTO ein ernstzunehmender junger Gegner an das bisherige Alphatier heran, das laut dem Marktforschungsunternehmen Gartner derzeit 74 Prozent des Marktsegmentes für sich reklamiert. Die LTO-Ultrium-Tapes und Systeme gelten nun aber als echte Alternative für die DLT-Kunden.

Das US-Marktforschungsunternehmen Freeman Reports vergleicht die Situation mit anderen Technikablösungen, zum Beispiel Betacam durch VHS. “Hier geht eine konkurrenzfähige, offene Technik gegenüber einer bislang überlegenen proprietären in Kampfposition”, erläuterte Robert Abraham, Senior Analyst bei Freeman Reports. Als offen gilt LTO deshalb, weil der Standard herstellerunabhängiger ist. Bislang haben sich 30 Unternehmen für die entsprechende Technik zertifizieren lassen – DLT und die Nachfolgetechnik Super DLT (SDLT) gibt es nur aus dem Hause Quantum.

Dicke Kater angeln sich Anwender

In den späten Neunziger Jahren schlossen sich die Entwickler und Techniklieferanten IBM, HP und Seagate zum LTO-Konsortium zusammen. Sie reagierten damit auf die wachsenden Bedürfnisse der Kunden an den Preis und vor allem an die Kapazität von Bandspeicherbibliotheken.

Als Trumpf werfen die LTO-Väter vor allem die Minimierung der Zwischenräume zwischen den auf das Band geschriebenen Magnetspuren in die Waagschale. Sie würden schließlich den wertvollen Speicherplatz kosten. “Unsere Schreib- und Lesetechnik revolutioniert dadurch den Markt im Zeitalter explodierender und immer komplexer werdender Datenströme”, schwärmt deshalb Chris Straghalis, Senior Manager Strategic Planning & Development bei Technikvertreiber Seagate.

Generationenkonflikte oder Generationswechsel?

Dasselbe behauptet nun der DLT-Platzhirsch Quantum für sich. Jane Walker, Marketing Manager von Quantum ist nicht mehr zu stoppen, wenn es um die Vorteile der eigenen Produkte geht: “Mit der neuen Generation der SDLTs kommt eine Laser-Steuerungstechnik zum Einsatz, die das physikalische Problem der unbeschriebenen Zwischenräume löst.”

Anders als bei DLT-Tapes werden die Servo-Informationen bei SDLT auf die Laser-lesbare Rückseite des Magnetbandes geschrieben. Das aktuell verkaufte Tape verfüge deshalb beispielsweise über 110 GByte Kapazität und das vergleichbare LTO-Produkt nur über 100, so die Managerin weiter.

Doch die LTO-Fraktion hält dagegen: “Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen,” heißt es aus dem Konsortium. Die Roadmap für die Zeit-Produktachse sehe nämlich vor, dass lediglich die erste Generation von LTO bei einer Kapazität von 100 GByte gelegen habe. Derzeit würden aber Produkte der zweiten Generation ausgeliefert.

Diese stünden, da etwa zur gleichen Zeit marktreif, allein schon vom Zeitrahmen her im Wettbewerb mit den aktuellen Quantum-Produkten. Nach Herstellerangaben bringen sie bei 200 GByte Kapazität eine Transferrate von etwa 20 bis 40 MByte/s, je nach Umgebung und Auslastung. Rückwärtskompatibilität inklusive, so heißt es.

“Klimmzüge beim Shopping”

Als entscheidendes Kriterium führt die Quantum-Managerin ins Feld, dass DLT “einfach leichter zu bekommen” sei. So arbeite Quantum mit “den üblichen Computerherstellern zusammen, die die Einkäufer sowieso schon kennen, während LTO von seinen Fans richtigen Einsatz fordert, wenn sie ein Produkt einkaufen wollen.”

Dass dem nicht so sei, versuchen die LTO-Unterstützer schon allein durch ihre Größe und Marktpräsenz, also “mit ihrem guten Namen” zu garantieren, wie sie selbst sagen. Die drei Konzerne setzen aber gleichzeitig auf ein Zertifizierungsprogramm, um den Vertrieb zu stärken.

Das soll für die Kunden die Zugänglichkeit zu den Produkten sowie die Kompatibilität aller LTO- Kassetten und Bandlaufwerke garantieren. LTO-Manager Stephen Holmes von Hewlett-Packard sagt: “Wir gehen nach dem Motto ‘Together we are strong’ vor.”

Diese einfache Verbreitung der Technik verbunden mit der Marktmacht der LTO-Väter sorgte auch für die relativ schnelle Anerkennung durch das Standardisierungsgremium für Speicherstandards, die European Computer Manufacturers Association (Ecma), nach nur wenigen Jahren. Holmes nannte das anlässlich der Standardisierung im November 2001 eine “Politik, mit Verkaufszahlen Fakten zu schaffen”.

Derzeit sollen 2 Millionen Ultrium-Kassetten der ersten und zweiten Generation über den Ladentisch gegangen sein. Zum Vergleich: Quantum spricht davon, dass 1,4 Millionen SDLT-Tapes verkauft worden seien.

Dennoch haben beide Hersteller im lukrativen Highend-Bereich mit denselben Problemen zu kämpfen: “Das Marktsegment dieser kompakten Bandlaufwerke ist momentan durch eine Art von Sättigung blockiert”, so Analyst Abraham. Der Highend-Bereich bleibt seiner Ansicht nach auch in den nächsten Jahren den High-Performance-Drives von IBM mit dem Produkt Magstar, Sony mit dem Produkt DFT und Storagetek mit dem Produkt 9840 vorbehalten.