Intels Barrett gibt sich kämpferisch

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Halbleiterhersteller positioniert seine Truppen für den Ausbruch

Auf dem Weg in die Zukunft der technologisierten Gesellschaft will der Halbleiterhersteller Intel weiterhin eine dominierende Rolle spielen. Einen Ausweg aus der aktuellen Krise hat Intel-CEO Craig Barrett zwar auch nicht parat. Aber er sieht sein Unternehmen optimal aufgestellt für die Zeit “danach”.

Barrett nannte die aktuelle Krise die “tiefste Rezession in der Geschichte der IT”. Intel habe 25 Prozent Umsatz eingebüßt. Der Manager gab sich aber kämpferisch. “Wir investieren weiterhin in Forschung und Entwicklung, wir geben Geld aus, um neue Prozesstechnologien zu etablieren. Und wir haben unsere Profitabilität erhalten können”, sagte Barrett in München.

Intel sei durch die Diversifikation seiner Produktlinien und die Erschließung neuer Märkte jenseits des PC optimal positioniert für den Zeitpunkt, an dem die IT-Entscheider wieder anfangen, Geld auszugeben.

Wann das aber sein wird, weiß auch Barret nicht so genau: “Die Unternehmen werden wieder Geld ausgeben, wenn die Gewinnlage wieder besser ist”, orakelte der Intel-Chef.

Allerdings habe gerade der Kostendruck bei den Anwendern Intels Position verbessert. “Die Leute sind jetzt noch stärker als zuvor an Standard-Baugruppen mit niedriger Cost of Ownership interessiert”.

Nach wie vor eine der wichtigsten Triebfedern für Wachstum ist laut Barrett das Internet. “In wenigen Jahren werden eine Milliarde Anwender über das Internet kommunizieren.”

“Die Art, wie wir in fünf Jahren das Internet nutzen werden, wird sich nicht allzu sehr von unserer heutigen Nutzungsweise unterscheiden”, sagte Barret. Nur werde die elektronische Kommunikation einfach überall zur Verfügung stehen.

“Jederzeit, überall wird man online sein können, ganz egal ob über einen drahtgebundenen Anschluss, über ein WLAN oder eine Mobilfunkverbindung der dritten Generation”.

Diese beiden Ansätze – WLAN und Mobilfunk – betrachtet der Firmenlenker übrigens nicht als konkurrierend. “Die beiden Systeme ergänzen sich eher”, meinte Barrett. Im Übrigen umfasse der Markt für drahtlose LANs mehr als nur Hot Spots zum Surfen im Internet. Drahtlose Unternehmensnetze und Heimnetze würden ebenfalls einen großen Markt darstellen.

Ein wichtiges Zukunftsthema ist laut Barrett das Digital Rights Management (DRM). Hier seien technische Ansätze wie Microsofts Palladium oder die hauseigene LaGrande-Technik zwar notwendig. Um das Problem zu lösen, sei aber mehr Koordination notwendig.

“Es gibt hier keine einfachen Lösungen. Hierzu bedarf es einer Gesetzesinitiative, damit diejenigen bestraft werden, die Copyrights missachten. Außerdem seien die Content-Anbieter im Obligo, realistische kommerzielle Modelle auszuarbeiten.

Mit Blick auf die Diskussion um Tauschbörsen wie Napster sagte Barrett: “Die, die sich darüber beschwert haben, hatten auch kein lebensfähiges Modell anzubieten”.

Schließlich seien in diesem Zusammenhang auch die Rechte der Konsumenten zu beachten, geschütztes Material für private Zwecke weiterhin kopieren zu dürfen. Das alles erfordere ein komplexes Zusammenwirken von Gesetzgeber, Interessengruppen und Soft- und Hardwareindustrie.

Bei dieser Gelegenheit kritisierte Barrett auch deutsche Bestrebungen, auf Multimedia-PCs Rundfunkgebühren zu erheben. “Dieses Modell ist eine Art Sondersteuer”, sagte Barrett.

silicon meint: Der alte Haudegen Craig Barrett zeigt sich von der Branchenkrise nicht eben deprimiert. Im Gegenteil. Während andere Anbieter die Zukunft des Silicon Valley in Gefahr sehen, gräbt sich Intel in aller Ruhe die Startlöcher für den Boom von morgen. Aber: Je länger die Krise dauert, desto riskanter wird diese Strategie. Bleibt nur zu hoffen, dass die Kurven bald wieder aufwärts zeigen.