Serverstrategie: Dell will an HP und FSC vorbeiclustern

CloudEnterpriseServer

Server zum selber basteln – auf Wunsch auch fertig gebaut

Auch in Europa will der US-Computerbauer Dell nun endlich an HP und Konsorten vorbeiziehen und den Servermarkt für Mittelständler und Großkunden mit beherrschen. Spätestens im nächsten Jahr soll das Unternehmen in diesem Feld sogar Marktführer sein. Mit diesem ehrgeizigen Ziel ist Walid Moneimne, der neue Vice President Enterprise Systems für die Region EMEA, angetreten.

In Deutschland beispielsweise befinde sich Dell derzeit im gesamten Serverbereich auf dem dritten Platz, hinter Fujitsu Siemens Computers (FSC) und Hewlett-Packard (HP). Allerdings, so orakelte Moneimne im Gespräch mit silicon.de, “wird sich das bald ändern”. Schließlich hätten laut dem Marktforschungsunternehmen IDC beide Rivalen im ersten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum ersten Quartal des vergangenen Jahres Einbußen beim Marktanteil hinnehmen müssen.

“FSC hat innerhalb eines Jahres 19,2 Prozent, HP 16,4 Prozent eingebüßt”, frohlockte er. Dell hingegen habe um 16,6 Prozent zugelegt. Dabei will das Unternehmen, das in diesem Jahr mit eigenen Produkten zum Angriff auf ehemalige Partner wie HP und 3Com bläst, aber nicht stehen bleiben. Über die absoluten Marktanteilszahlen schwieg er sich zwar aus. Er sprach aber von einem “klaren Trend, der nicht aufzuhalten” sei.

Dabei setzt er auf die selbe Verkaufsstrategie, die “uns schon im Client-Umfeld nach vorne geholfen hat”, den Dell-typischen Build-to-Order-Ansatz. Vor allem die von der Client-Seite gewohnte enge Beziehung zum Kunden soll auch den Server-Anteil, den Dell in die Unternehmen stellen will, hochschrauben. “Natürlich ist uns bewusst, dass nicht jedes Unternehmen die Kompetenz oder auch den Willen hat, seinen Server online zusammenzustellen, aber die Möglichkeit wollen wir trotzdem bieten”, so der Manager.

Dabei werde der Service zwar auch über Partner realisiert, aber: “Dell zeichnet je nach Vertrag 80- bis 100-prozentig verantwortlich.” Eine 99,9-Prozent-Verfügbarkeit der Systeme sei heute in der Realität bei keinem Hersteller Standard, ließ Moneimne durchblicken. Möglich machen will es Dell aber – auf Wunsch: “Dafür zahlen unsere Kunden und erhalten einen speziellen Servicevertrag, bei dem wir im Ernstfall auch ins Haus kommen – egal wo das Unternehmen sich befindet.”

So will der Dell-Mann den Umsatzanteil seines Unternehmens mit Servern erhöhen. “Derzeit haben wir weltweit gesehen in Durchschnitt bei den Global 2000s auf der Client-Seite einen Anteil von 70 Prozent im Vergleich mit anderen Anbietern, auf der Server-Seite sind es erst 20 Prozent.” Moneimne lässt offen, wann der Server-Anteil dem bei den Clients gleichziehen soll.

Aber er ist überzeugt davon, dass vor allem die Blade-Server-Idee zu einer besseren Akzeptanz der Dell-Produkte im Unternehmensumfeld beitragen wird. Blade-Server seien als modularer Ansatz am besten auf die Spar- und Integrationsbedürfnisse der Unternehmen eingerichtet. Auch an Skalierbarkeit könne es keine andere Architektur mit den schmalen Serverboxen aufnehmen, meinte er.

Als weiterer Treiber für die angepeilte Marktmacht gilt seiner Ansicht nach vor allem der Trend zum Clustern. Hier erhofft er sich eine spezielle Kundengruppe: “Im Mittelstand hat sich die Cluster-Architektur eigentlich bewährt und muss sich nur noch richtig verbreiten”, so Moneimne. Es sei erklärte Strategie von Dell, Flexibilität, Skalierbarkeit und Verfügbarkeit für “Kunden jeder Größe” mit diesen Systemen zu bieten – größere Server sind hingegen nicht geplant. Der Highend-Bereich mit mehr als den bislang von Dell angebotenen acht Prozessoren werde weiterhin nur beobachtet. Aktivitäten in diesem Sektor sind auch in nächster Zeit keine geplant, heißt es bei Dell.

Beim Thema neuer Cluster-Glaube weist Moneimne auf eine weitere grundlegende Strategieänderung hin. So halte Dell neuerdings nichts mehr von Infiniband. Wie andere Großunternehmen, darunter Intel, hat Dell die vielversprechende Technik klammheimlich eingemottet.

silicon meint: Lange galt Dell als PC-Schrauber, der auch durch seine engen Partnerschaften groß geworden war. Just in diesem Jahr, als so ziemlich alle Unternehmen der Branche Kooperationen geradezu neu erfunden zu haben scheinen und nichts mehr ohne ihre Partner tun, verlässt Dell den inzwischen wohl zu ausgetretenen Pfad, stößt Ex-Partner vor den Kopf und stürzt sich wieder ganz in den Konkurrenzdschungel. Das muss nicht unbedingt fehlschlagen, aber in dieser brenzligen Marktsituation auch noch ganz neue Kundenkreise aufreißen zu wollen, ist doch etwas gewagt.