Samsung, übermütig

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Einsamer Jubel im Lager des betretenen Schweigens

Während alle anderen Halbleiterhersteller sich angesichts der trüben Marktperspektiven in gedämpften Tönen ergehen, haut Samsung auf die Pauke: Der fernöstliche Produzent erwartet für die kommenden Jahre satte Gewinne. Und das auch noch in dem für seine extremen Preisschwankungen gefürchteten Speicherchipmarkt.

So optimistisch äußerte sich der Koreaner Hwang Chang-gyu, Chef von Samsungs Halbleitersparte, im Wirtschaftsblatt Financial Times. Er steht damit in der Branche allerdings ziemlich alleine da. Europas größter Halbleiterhersteller STMicroelectronics äußert sich nicht zu Markterwartungen. Auch beim Konkurrenten Infineon ist betretenes Schweigen angesagt: Unter Hinweis auf die “Quiet Period”, die jedem Quartalsbericht vorausgeht, verweigert das Unternehmen zurzeit jede Einschätzung der Marktentwicklung. Aber auch ohne Quiet Period könnte Infineon kaum in den Juchzer aus dem Land der Morgenstille einstimmen – der Siemens-Ableger, der knapp 40 Prozent seines Umsatzes mit Speicherchips erzielt, hat derzeit wenig Grund zur Freude. Äußerungen von Infineon-Managern aus jüngerer Zeit sprechen von anhaltendem Preisdruck und ebenso anhaltender Investitionszurückhaltung bei den Kunden.

Einen Grund für die Sonderstellung Samsungs sehen Experten in der speziellen Produktpalette: Das Unternehmen hat sich auf DDR-Speicher (Double Data Rate) spezialisiert – und da hat es die Nase vorn.

Allerdings will Samsung auch in anderen Segmenten auf Kundensuche gehen. Erst vor kurzem hatte das Unternehmen den Einstieg in den Prozessormarkt bekannt gegeben. An Mainstream-Prozessoren á la AMD und Intel traut sich Samsung zwar noch nicht heran. Einstweilen begnügen sich die Koreaner mit Chips für Handheld-Geräte mit dem ARM-Core. Aber auch da kommen sie Intel ins Gehege: Deren Xscale-Produktfamilie entstammt den gleichen Ahnen und bedient den selben Markt.

Äußerlich gibt sich Intel ob der neuen Konkurrenz gelassen. “Wir tun was nötig ist, und wir sind gut aufgestellt, um jedem Konkurrenten Paroli bieten zu können”, sagte ein Intel-Sprecher. Über die Marktaussichten befragt, wird jedoch auch der Branchengigant einsilbig. “Die Lage ist schwierig. Wir sind nicht euphorisch”, so der knappe Kommentar aus dem deutschen Intel-Hauptquartier.

silicon meint: Eigentlich tut es in diesen trüben Zeiten schon mal ganz gut, eine optimistische Einschätzung zu hören. Nur schade, dass die Aufbruchstimmung hier zu Lande noch nicht angekommen ist. Für eine umfassende Aufhellung der Perspektive scheint es derzeit auch in der Tat zu früh: Die Eigendynamik des Speichermarkts bringt es mit sich, dass immer nur die “frühen Vögel” von einer Neuentwicklung profitieren, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Bleibt zu hoffen, dass beim nächsten Aufschwung die Halbleiterhersteller auch in Europa zu den Frühaufstehern gehören.