Sun will sich zum Komplettanbieter wandeln

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Scott McNealy auf der Suche nach Wachstumsmärkten

Scott McNealy, Chef von Sun Microsystems, hat die Richtung vorgegeben, auf der sich das Unternehmen aus dem Tal der Tränen herausarbeiten soll: Fortan versteht sich Sun nicht mehr nur als bloßer Infrastrukturlieferant, sondern als Komplettanbieter.

Mc Nealys Äußerungen erfolgten auf der Hausmesse Sunnetwork, die zurzeit in San Francisco stattfindet. Nach den Worten des Managers gelte zwar nach wie vor die Maxime “Das Netz ist der Computer”. Viele Kunden seien jedoch mit dem Wunsch an das Unternehmen herangetreten, Sun die Generalverantwortung für große IT-Projekte zu übertragen. McNealy nannte auch gleich einige Beispiele. Der prominenteste Neukunde ist danach wohl das Elektrounternehmen General Electric. Es hat mit Sun-Technik ein Portal für Produktinformationen angelegt, auf das 250 000 Mitarbeiter, Vertragspartner und Berater zugreifen.

Weil Sun aber, abgesehen von dem Büropaket Staroffice, keine Anwendungssoftware herstellt, kann das Unternehmen die ihm zugedachte Rolle nur zusammen mit Anbietern solcher Software erfüllen. McNealy gab auch gleich eine Reihe strategischer Kooperationen bekannt – unter anderem mit Oracle, Peoplesoft und SAP. Sein Infrastruktur-Portfolio wird Sun durch eine engere Zusammenarbeit mit Cisco aufmöbeln. Und im Speicherbereich schritt das Unternehmen gleich zu einer Übernahme: Mit dem Start-up Pirus Network hat sich McNealy einen Hersteller von Switches für Speichernetze unter den Nagel gerissen.

Im Speicherbereich scheint Sun denn auch recht erfolgreich zu agieren: Auf der Messe stellte das Unternehmen eine Marktstudie von IDC vor, nach der Sun als einziger Anbieter im Massenspeichermarkt zweistellige Wachstumszahlen verzeichnet.

Analysten lobten Suns Neuausrichtung. Damit könne der angeschlagene Serverhersteller seine Situation zwar nicht über Nacht verbessern, hieß es. Sun erwirtschafte immer noch die Hälfte seines Umsatzes in der Telekom-Branche, und dort sei der Markt so gut wie tot. Der Versuch, neue Kunden im produzierenden Gewerbe, der Finanzbranche, der öffentlichen Hand oder im Gesundheitsbereich anzusprechen, weise jedoch in die richtige Richtung.

Des weiteren stellte Sun auf der Messe einen neue Topversion seines 64-Bit-Prozessors Ultrasparc III vor. Dieser wird von Suns Vertragspartner Texas Instruments in 130-Nanometer-Technik gefertigt; bisher nutzte der Hersteller einen 180-Nanometer-Prozess. Die Folge: Die Ausbeute und damit die Wirtschaftlichkeit der Herstellung steigt, und der Prozessor verbrät 30 Prozent weniger Energie. Die Taktfrequenz legte um 14 Prozent auf 1,2 GHz zu. Sun hat mit dieser Fertigungstechnik nach eigenem Bekunden die beiden wichtigsten Konkurrenten Intel und IBM überrundet.