Halbleiter-Ausrüster läuten zweiten Abschwung ein

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Preiskampf eskaliert – nur wenige Gewinner

Der Preisverfall bei den Ausrüstern der Halbleiterindustrie sorgt für Unruhe in der Branche und darüber hinaus. Nach den Anzeichen für eine Erholung zu Beginn des zweiten Quartals verstärkt sich jetzt die Angst vor einem Double Dip, einem erneuten Einbruch der IT-Branche sowie der Gesamtwirtschaft in den USA und Europa.

Die Hoffnungen auf eine anziehende Nachfrage scheint sich zumindest im Vorgarten der Chiphersteller nicht zu erfüllen. Die Ausrüster wie Applied Materials oder Novellus Systems melden einhellig zurückgehende Orders von Micron, AMD oder Texas Instruments.

Beobachter wie Analyst Richard Tortoriello von Standard & Poor’s fürchten nach dem Umsatzrückgang von 41 Prozent im vergangenen Jahr einen weiteren Einbruch um 30 Prozent in diesem Jahr. Als Anhaltspunkt für den befürchteten Double Dip nennt er die Auftragseingänge bei Applied Materials: Nach einem Plus von 50 Prozent im zweiten Unternehmensquartal (Februar bis April) waren es im darauf folgenden noch Plus 5 Prozent. Bis Ende September rechnet der Hersteller allerdings mit einem Rückgang der Nachfrage um 5 bis 15 Prozent.

In der Branche wird jetzt diskutiert, wie sich die stärksten Vertreter verhalten werden. Zwar haben Applied Materials und Novellus in den vergangenen Wochen positive Geschäftszahlen vorgelegt. Gleichzeitig mussten sie aber auch einräumen, dass der Auftragseingang niedrig bleiben wird.

Zumindest zeichne sich bei den zwei Herstellern kein weiterer Einbruch ab, das ist das Bild der vergangenen Tage. Demnach könnten Applied Materials und auch Novellus versuchen, sich einem weiteren Preisdruck zu widersetzen. Zumal die Abnehmer wie Intel und AMD bei einem beginnenden Aufschwung dann nur sehr schwer von gestiegenen Preisforderungen zu überzeugen wären, so die Überlegung von Analysten.

Silicon meint: Die Hersteller von Halbleitern putzen sich selbst heraus: standardisierte Produkte, enorme Preissetzungesmacht. Aber was haben sie davon, auf lange Sicht? Das Verhältnis zu den Ausrüstern wird zerrüttet, umso mehr, wenn jetzt sogar bestehende Verträge nachverhandelt werden. Ein solideres Gefüge, mit dem sich der nächste Abschwung besser und mit weniger Kosten überstehen ließe, das bekommt man so sicher nicht.