Cray meldet sich mit X1 zurück

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3,3 Teraflop auf 25 Quadratmetern

Der schwer gebeutelte Supercomputer-Hersteller Cray stellt derzeit seine Neuentwicklung X1 vor – und verbindet damit Hoffnungen auf ein großes Comeback. Nach dem Aufkauf durch Silicon Graphics hatten viele den Hersteller mit einst 5000 Mitarbeitern schon abgeschrieben. Jetzt werde Cray einen Neustart hinlegen, versprach CEO Jim Rottsolk in München.

In der zweiten Jahreshälfte soll die X1 schließlich auf den Markt kommen – nach rund fünf Jahren Entwicklungszeit. Fünf Referenz-Systeme stehen derzeit nach Cray-Angaben bei Kunden. Die kleinste Ausführung ist für rund 2,6 Millionen Dollar zu haben.

Das Herz der X1 sind vier Multistream-Prozessoren mit jeweils 12,8 Gigaflops (Fließkomma-Berechnungen/Sekunde). Brillieren kann Cray hier mit einer besonders großen Memory-Bandbreite. Und das, so X1-Chefentwickler Steve Scott, sei das schlagende Argument für die Cray-Supermaschine. Nicht mit Rechenleistung allein könne man in dem Nischenmarkt überzeugen, sondern mit der Bewältigung des Datenaufkommens.

Ein hübsches Detail finden die Supercomputer-Fans sicherlich in der Kühlung: Hier verwendet Cray ein Produkt von 3M auf Fluor-Basis, das direkt auf die Prozessoren gesprüht wird und dort verdampft. Dadurch sei es möglich, mit einer relativ kleinen Menge auszukommen, die leichter als bisher in einem Luft- oder Wassertauscher kondensieren und abkühlen kann.

Momentan gibt Cray die Zahl seiner weltweit installierten Systeme mit 400 an. Seine Kunden findet der Hersteller schon heute im Umfeld von Automobilherstellern, die Unfalltests simulieren und auswerten wollen, in der Meteorologie, in der akademischen Forschung sowie bei öffentlichen Auftraggebern. Neu hinzu kommt nach Rottsolks Worten derzeit die Bioinformatik. Während das Supercomputing hier allmählich Einzug hält, sieht er für Cray die Chance, in Kooperation mit den Kunden selbst spezifisches Wissen in diesem neuen Anwendungsfeld zu gewinnen.

Dabei scheinen die Aussichten tatsächlich nicht schlecht. Denn die Automobilhersteller müssen immer mehr Forschung im Bereich Aero-Acoustics betreiben, um die Geräuschentwicklung in den Griff zu bekommen. Geholfen habe Cray aber auch die Umsetzung des international vereinbarten Stopps von Atomtests. Auch nach dem Verkauf des Cray Research Lab von SGI an Terra Computers haben die Anforderungen der US-Regierung die Situation für Cray stabilisiert. Die X1 geht so auch auf einen Auftrag öffentlicher Stellen an SGI zurück, den Cray beim Verkauf vererbt bekam.

Aber auch die Wetterforschung scheint neue Chancen für Cray zu bieten. Gerade bei den immer häufigeren Waldbränden sei es inzwischen möglich, selbst die komplexen Wettersysteme rund um ein solches Großfeuer mit Cray-Rechnern besser zu simulieren. Dann sei es auch möglich, die Entwicklung eines Großbrands vorherzusagen und Einsatzkräfte sowie Material rechtzeitig an den richtigen Ort zu schaffen, erläutert Lori Kaiser, bei Cray zuständig für strategische Planung.

Für das kommende Jahr peilt Cray mit der X1 fast eine Verdoppelung der Umsätze auf 150 Millionen Dollar an. Gleichzeitig sollen die Kosten aber gleich bleiben. Die Grenze zur Gewinnzone bei 140 Millionen Dollar wäre damit übersprungen.

Unklar ist derzeit noch, wie es mit der Vertriebspartnerschaft mit Konkurrent NEC für den US-Markt weitergehen soll. Dessen SX-6 ist schon seit rund einem Jahr auf dem Markt und mit 1 Million Dollar wesentlich preisgünstiger. Außerdem bringt die NEC-Maschine eine deutlich größere Auswahl an Applikationen mit. “Wir werden sehen, wie sich das entwickelt”, so Rottsolk.

Und schließlich macht sich Cray daran, Moores Gesetz auszuhebeln: Spätestens 2010 soll der erste Petaflop-Rechner die Hallen verlassen. Damit wären Supercomputer dann 100 mal schneller als die eiserne Regel des Intel-Gründers voraussagt.