Netzwerker besinnen sich auf Nutzwert

Management

Exponet mit alten Themen – aber die Aufbruchstimmung ist wieder da

Mit einer positiven Bilanz ging die Kölner IT-Fachmesse Exponet zu Ende. Während das Messegewerbe hier zu Lande in jüngerer Zeit zu Schwächeanfällen tendierte, konnte die Exponet ein solides Wachstum verzeichnen: Über 70 000 Besucher fanden den Weg nach Köln, 8,3 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Die Zahl der Aussteller wuchs gar um 11 Prozent auf 800.

Wichtige Themen der Netzwerker waren wieder einmal Voice over IP, drahtlose LANs, Security und Netzwerkinfrastruktur. Die LAN-Telefonie, ein Dauerbrenner seit nunmehr fast einer halben Dekade, scheint den Ausstellern nie langweilig zu werden, obwohl sie in den vergangenen Jahren nie auf mehr als eine freundliche Neugier seitens der Messebesucher gestoßen war. In diesem Jahr nun dürften sich die User stärker als bisher geneigt sehen, zur Investition zu schreiten, denn die Anbieter haben das Telefonieren über das Netzwerk attraktiver gemacht.

Deutlich wurde das am „XML-Contest“ des VoIP-Pioniers Cisco. Dieser hatte eine Reihe von Softwarehäusern auf seinen Stand eingeladen. Dort konnten sie Anwendungen zeigen, die einen Mehrwert für die Voice-over-IP-Technik generierten. Diesen Mehrwert bezogen die Applikationen aus der Verzahnung von Datenwelt und Telefonie. Gewinner des Contests war übrigens das Karlsruher Softwarehaus Eyretel. Es hatte eine Anwendung entwickelt, mit der sich Telefongespräche aufzeichnen und anschließend verschicken lassen. Der Versand kann wahlweise als konventionelles E-Mail via Computer erfolgen oder direkt über das Menü des IP-Telefons.

Und: Drahtlose LANs werden sicherer. Das ist eine weitere Botschaft, die der Besucher von der Messe mit nach Hause nehmen kann. Hersteller wie der Wireless-Spezialist Proxim zeigten Implementierungen des neuen Sicherheitsstandards WiFi Protected Access (WPA). Dieser schließt die Lücke zwischen dem existierenden Standard IEEE 802.1x und der noch nicht fertig gestellten Norm IEEE 802.11i. Im Wesentlichen beruht die erhöhte Sicherheit auf einer stärkeren Verschlüsselung und einer strikteren Authentisierung der drahtlosen Teilnehmer.

Nicht nur auf die Sicherheit gegen Eindringlinge, sondern auch gegen Ausfälle zielten viele Entwicklungen. So präsentierte der Hersteller Xtreme Networks eine Architektur, mit der Ethernet-Backbones für Standort- oder Metronetze eine ähnliche Ausfallsicherheit bekommen sollen, wie die SDH-Netze der Telecoms – zu einem Bruchteil des Preises. Der technische Trick dabei: Das Ethernet wird zu einem Ring zusammengeschlossen, was bei Ethernet normalerweise verboten ist und daher einige Klimmzüge beim Hersteller voraussetzt. Extreme Networks hat dazu ein proprietäres Protokoll namens EAPS (Ethernet Advanced Protection System) kreiert.

Auch auf der Ebene der Etagen- und kleineren Unternehmensnetze werden Anwender künftig mit mehr Ausfallsicherheit rechnen dürfen. So hat etwa 3Com eine Architektur namens XRN (Expandable Resilient Networking) vorgestellt, die die Verfügbarkeit der Dateninfrastruktur verbessern und gleichzeitig die Verwaltung der Netze erleichtern soll.

silicon meint: Endlich wieder einmal eine solide Messe – mit business as usual anstatt Begräbnisstimmung, mit Fachgesprächen anstatt Gejammere. Der Zuspruch, den die Kölner Messe von Anwendern und, Ausstellern erfahren hat, zeigt: Die Lage ist besser als die Stimmung. Viel besser.