SAP-Software sorgt für Buchungsfehler bei Schweizer Versicherung

Management

Swiss Life hat ein Problem: Statt Gewinn, hoher Verlust

Die Schweizer Rentenanstalt Swiss Life hat einen groben Schnitzer in ihrem Rechnungswesen eingeräumt. Schuld sei das Wertschriftenverwaltungssystem, das im Frühjahr eingeführt worden sei, und nicht einwandfrei funktioniere. Dabei handelt es sich um die SAP-Software Corporate Finance Management (CFM).

Entdeckt hat den Systemfehler die Revisionsfirma Pricewaterhouse Coopers, als sie im Hinblick auf eine geplante Kapitalerhöhung die Bilanz und die Erfolgsrechnung überprüfte. Sie stellte Fehlbuchungen bei den Obligationsbeständen der Lebensversicherung fest.

Nun musste Swiss Life seine Zahlen korrigieren – und zwar um 192 Millionen Franken (130 Millionen Euro) nach unten auf minus 578 Millionen Franken (394 Millionen Euro).

SAP räumt ein, es habe einmal einen Softwarefehler gegeben. Dieser sei allerdings am 12. Juli dieses Jahres bereits ausgeräumt worden. Die Wertberichtigung der Differenz zwischen Markt- und Nominalwert über die Restlaufzeit von Obligationen sei damals nicht ausgeführt worden. Auch ein automatischer Korrektur-Algorithmus habe die falsch generierten Daten nicht wegschaffen können.

Wie der Finanzchef von Swiss Life erläutert, habe die Buchungsabteilung eine Pauschalkorrektur vorgenommen. Doch das war offensichtlich keine ausreichende Maßnahme.

Die “Neue Züricher Zeitung” berichtet darüber hinaus von einem “unprofessionellen Projekt-Management”. So sei es zu Verzögerungen bei der Einführung der SAP-Software gekommen. Ein Testlauf des Gesamtsystems blieb aus. Der Softwarehersteller trage nicht die alleinige Schuld für die Fehlleistungen, bewertet das Blatt.

Was die falsch ausgewiesene Bilanz angeht, lehnt SAP ihrerseits ohnehin jegliche Verantwortung ab. Sie sei lediglich der Softwarehersteller und -lieferant. Für die Einführung und den Betrieb seien andere zuständig.

Tatsächlich hatte Swiss Life im September schon einmal mit einem ähnlichen Patzer für Schlagzeilen gesorgt. In der Folge eines Lapsus im Rechnungswesen verwandelte sich das Halbjahresplus 2001 von rund einer Viertel Milliarde Franken (170 Millionen Euro) in ein Minus von einer Million Franken.

Als Sofortmassnahme will der Versicherer nun eine “qualitative und quantitative Verstärkung” des Rechnungswesens unter der Leitung des neuen Finanzchefs Bruno Pfister anordnen. Darüber hinaus soll es intensivere interne Kontrollen geben aber auch eine stärkere Zusammenarbeit mit der Revisionsstelle.

Nach Bekannt werden der Fehlleistung sackte die Aktie von Swiss Life um fast 13 Prozent ab.