IBM rechnet den Mainframe schön

Management

Was haben Milchmädchen mit Serverfarmen gemein?

Große Serverfarmen mit mehreren tausend Rechnern haben oft nur einen Auslastungsgrad von wenigen Prozent, erklärte IBM-Manager Richard Lechner in einem Gespräch mit silicon.de. Lechner, der für die weltweiten Marketingaktivitäten von Big Blue im Großrechnersektor (eServer und zSeries) verantwortlich ist, beruft sich bei seinen Zahlenangaben auf die Untersuchungsergebnisse eines Kunden.

Der Marketingchef räumt ein, dass es sich bei diesem Kundenergebnis um einen unteren Extremwert handle. Im Durchschnitt gehe man bei IBM davon aus, dass mittelgroße Serverlandschaften (rund 500 bis 1000 Server) auf der Basis von Intel-Maschinen einen Auslastungsgrad von 5 Prozent und auf der Basis von Sun- oder HP-Maschinen von etwa 15 Prozent hätten. Demgegenüber ist sich Lechner sicher, dass eine volumenmäßig äquivalente IBM-zSeries-Konfiguration auf eine Auslastung von gut 70 Prozent komme.

Virtuelle Server

70 Prozent Auslastung reklamiert Lechner auch für die mittleren Server von IBM, die pSeries. Mit der neuen Version 5.2 des IBM-Unix-Derivats AIX 5L werde die Leistungsgrenze dieser IBM-Systeme klar in Richtung Mainframe geschoben. “In die Version 5.2.von AIX haben unsere Entwickler die gesamten Mainframe-Erfahrungen hinsichtlich Systemarchitektur und Systemprogrammierung eingebracht”, sagte Lechner in der IBM-Serverzentrale in Poughkeepsie im amerikanischen Bundesstaat New York.

Wie in der Großrechner-Welt könnten pSeries-Anwender unter AIX 5L v5.2 automatische Lastverteilung betreiben und bei laufendem Betrieb neue Ressourcen zuschalten. Mehr noch: Mit dem neugestylten AIX ließen sich unabhängig von der
Rechnerphysik “virtuelle Server” aufbauen, die entweder unter AIX oder auch unter Linux laufen könnten.

Autonomes Computing

Die einzelnen “dynamischen Partitionen” können laut Lechner dabei extrem klein gehalten werden. Die Mindestgröße eines solchen virtuellen Servers umfasse einen einzigen Prozessor und 250 Megabyte Speicher. In einem vergleichbaren Sun-System bestehe dagegen der kleinstmögliche virtuelle Server aus zwei Prozessoren und 2048 Megabyte Speicher.

In AIX 5L v52. sind ebenso wie in die Mainframe-Betriebssysteme MVS und Linux viele Leistungsmerkmale der “Autonomous Computing”-Philosophie von IBM eingeflossen. “Im Gegensatz zu der ähnlich gerichteten Sun-Initiative N1 ist unsere Strategie einer sich selbst konfigurierenden, sich selbst optimierenden und sich selbst instand setzenden Systemumgebung nicht auf Java und J2EE beschränkt”, streicht der IBM-Mann aus Poughkeespie die Multifunktionalität und Vielsprachigkeit der IBM-Lösung heraus.

Silicon meint:Mehr denn je trommelt IBM für den Mainframe. Dabei schreckt Big Blue auch nicht vor Milchmädchenrechnungen zurück. Nur ein Beispiel: bei entsprechenden Kalkulationen werden meist Serverfarmen von Tausend und mehr Servern zugrunde gelegt und suggeriert, eine solche Konfiguration ließe sich mit logischen Partitionen auf einem Linux-Mainframe umsetzen. Das kann man keinem Anwender raten. Bei echter Last dürften mehr als 16 logische Linux-Server nicht drin sein. Ansonsten macht der Linux-Jumbo schnell die Grätsche.