Systems kämpft gegen konjunkturellen Gegenwind

Management

Messekonzept reflektiert Branchenmisere

Deutschland im Herbst 2002 – das bedeutet wirtschaftliche Tristesse, auch und vor allem in der IT-Branche, die bis vor kurzem noch den Status des wirtschaftlichen Wunderkinds und Hoffnungsträgers genoss. Für den Messe-Veranstalter ist das eine Herausforderung: Wie hält man die Zerfallserscheinungen der Branche von der Ausstellung fern, versucht gar ein Optimum an wirtschaftlichem Erfolg zu erreichen?
Beim Kampf gegen den Abwärtstrend bläst den Systems-Organisatoren eine steife Brise ins Gesicht. Schon im vergangenen Jahr hatte der Abschwung die Zahl der Aussteller beträchtlich dezimiert. In diesem Jahr nun ist das Häuflein weiter zusammengeschmolzen. Kein Wunder: Die IT-Branche, in den neunziger Jahren mit zweistelligen Zuwachsraten verwöhnt, muss in diesem Jahr erstmals einen Rückgang hinnehmen: Nach Zahlen des Branchenverbandes Bitkom schrumpft der Gesamtumsatz um 1,3 Prozent auf 136 Milliarden Euro.

Dabei verteilt sich das Minus keineswegs gleichmäßig auf alle Sparten. Während Internet-Services immer noch im alten Tempo der Branche wachsen und in diesem Jahr um 16 Prozent zulegen, müssen die Telekom-Zulieferer den Gürtel um 18 Prozent enger schnallen. Aber unter dem Strich schaut eben weniger heraus als in den vergangenen Jahren.

Das führt die Arbeitsmarktstatistik auf eindringliche Weise vor Augen: Die selbe Branche, die sich noch vor zwei Jahren um jeden Hochschulabgänger riss und nicht selten einstiegswillige Kandidaten mit üppigen Extras köderte, muss jetzt Stellen abbauen. 28 000 Jobs sind bisher gestrichen, rund 3 Prozent aller hier Beschäftigten. Jetzt ruht die Hoffnung der gesamten Branche auf UMTS. “Das wird ohne Zweifel ein großer Erfolg”, beschwört Bitkom-Präsident Volker Jung die Anziehungskraft des Projekts.

Das 3G-Mobilfunknetz ist denn auch eines der wichtigsten Themen auf der Systems. Für Dienstag (15. Oktober) hat die Messeleitung einen ganztätigen Kongress zu dem Thema anberaumt. Promis aus Politik und Wirtschaft werten die Show auf. Man mag darüber diskutieren, ob etwa Erwin Huber, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, viel Tiefsinniges zu dem Thema beizutragen hat. Aber seine Anwesenheit zeigt, wie sehr es dem Messeveranstalter am Herzen liegt.

Aber der UMTS-Kongress ist nicht das einzige Highlight auf der Systems. “Welche Form der Messe braucht so eine Branche?”, sinniert Michael Pöllmann, der als Projektleiter der Münchener Messegesellschaft für die Gestaltung der Systems verantwortlich ist. So gibt es eine zweitägige Konferenz (am 14. und 15. Oktober) namens “Knowtech 2002” über den Einsatz von Knowledge Management in Wirtschaft und Verwaltung. Einen Tag lang können sich Länder aus Osteuropa auf dem gleichnamigen Kooperationsforum präsentieren.

Das alles hat einen reinen B2B-Bezug. “Wir wollen Endverbraucher und keine Schüler, die von Stand zu Stand ziehen und Geschenke einsammeln”, sagt Pöllmann. “Deswegen geht die Messe auch nicht über das Wochenende, sondern nur von Montag bis Freitag”.

Der Erfolg scheint ihm Recht zu geben. Die Fachbesucherquote nähert sich der 100-Prozent-Marke. Systems-Aussteller loben die hohe Besucherqualität. “Wer zur Systems kommt, hat echte Geschäftsabsichten”, hat Pöllmann beobachtet. Dabei sei der Mittelstand “das Rückgrat der Messe”. “Die wollen erprobte Lösungen sehen, keine Pionierprojekte.”

Inwieweit diese Einschätzung für den Hoffnungsträger UMTS zutrifft, muss sich noch erweisen. Aber es gibt auch noch andere thematische Schwerpunkte. “E-Government ist in diesem Jahr ein Renner. Da sind extrem hohe Investitionen geplant”, sagt Pöllmann.

Die IT-Sicherheit ist auf der Systems seit eh und je stark vertreten. In Halle B1 findet der Besucher eine “Security Area” mit 5000 Quadratmetern. Ähnliche thematische Brennpunkte gibt es in einer Reihe weiterer Bereiche, von CRM über E-Business bis zur Softwareentwicklung. Neu ist ein derartiger Bereich für Storage-Solutions.

Damit sind die Weichen gestellt, die Besucher können kommen. Wie sich die andauernde Wirtschaftskrise auf deren weitere Investitionsneigung auswirkt, weiß noch keiner. Pöllmann demonstriert jedenfalls Optimismus. “Im Herbst fallen die Entscheidungen für das kommende Jahr. Deshalb ist das der richtige Zeitpunkt für so eine Messe.”