SAN gegen NAS: Network Appliance begräbt das Kriegsbeil

Management

“… denn will dir ein Kunde Geld geben, dann nimm es!”

Damit die IT-Infrastruktur sowie die Luft zum Atmen wird, wie es sich CIOs wünschen – also verfügbar und so reibungslos, dass man nicht mehr daran denken muss – hat der US-Storage-Hersteller Network Appliance (NA) die Seiten gewechselt. War das Unternehmen seit seiner Gründung 1992 immer auf den Spuren des Network Attached Storage (NAS) unterwegs, so sollen jetzt auch SANs (Storage Attached Network) von NA unterstützt werden.

Ein Set an Management-Tools, die Reihe mit der Bezeichnung FAS, soll SAN- und NAS-Topologien gleichermaßen unterstützen und dadurch besser auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen. Dave Hitz, Gründer und Executive Vice President, sagte auf der NA-Konferenz in New York gegenüber silicon.de: “Es gibt Applikationen, die besser mit einem SAN laufen, wie Microsoft Exchange, und solche, die effektiver mit NAS-Strukturen verknüpft sind, so die Anwendungen für Tausende von Clients – beides kommt bei ein und demselben Kunden parallel vor und deshalb mussten wir uns bewegen.” Etwas verschämt erinnert er sich an die Zeiten, als er “bei jeder Gelegenheit gegen SAN gewettert” habe. Heute verweist er stolz auf Partner wie den Fibre-Channel-Switch-Hersteller Brocade. Auch IBM gehört zu den Unternehmen, unter deren Fittiche sich der Newcomer NA relativ gerne zu begeben scheint. Zu einflussreich und groß ist Big Blue.

Dabei sind aber auch alte Konkurrenten stärker ins Blickfeld gerückt, beschreibt er. Mit dem Slogan “NAS ist einfach – NA führt diese Einfachheit in die SAN-Welt ein” will das Unternehmen den ungekrönten Speicherkönig EMC das Wasser abgraben. Dabei soll vor allem die Historie NA stützen. “EMC hat zwar den Vorteil, in der Mainframe-Welt groß geworden zu sein – aber wir haben durch unsere Netzwerktraditionen den entscheidenden Technikvorteil – wir haben die Erfahrung mit verschiedenen Standards und Protokollen”, gibt sich Dan Warmenhoven, CEO bei NA, gelassen. So sei EMC gezwungen “für jedes kleinste Kundenbedürfnis eine eigene Speicherschachtel anzubieten”. Bei NA könne der Kunde nun nicht nur mit einem System beide Standards bedienen, sondern auch zwischen den Speicherwelten wandern.

Und die Kunden waren es schließlich, die NA dazu bewegt hätten, so betonte Hitz: “Als ich unserem Aufsichtsratsvorsitzenden erzählte, dass sich unsere Kunden eine Kombination aus NAS und SAN wünschen, sagte dieser: Wenn dir ein Kunde in dieser Marktsituation Geld geben will, schlage ich ernsthaft vor, wir nehmen es!” Diese Kunden, so Tom Mendoza, President of Worldwide Sales, im Interview mit silicon.de, sitzen auch in Deutschland: “Eigentlich waren es Kunden wie die Deutsche Telekom, die uns dazu gebracht haben, die integrierte Kombination zu bauen – und sie waren es auch, die mit am innovativsten mit den neuen Systemen umgehen.”

Beispielsweise, so der Sales-Chef, habe dieser Kunden die Caching- und Mirroring-Funktionen der Geräte so gebaut, dass sie eine Disaster-Recovery-Dienstleistung quasi als Dreingabe bekommen hätten. Der mittelständische Rösner-Verlag habe sogar von EMC-Speichersystemen auf Network-Appliance-Architektur gewechselt – komplett, wie Deutschland-Chef Andreas König nicht vergisst zu betonen. “Was kürzlich ein CIO aus New York zu uns sagte, stimmt einfach, wir machen zwar das selbe wie die anderen, dies allerdings zu wesentlich günstigeren Preisen”, so Warmenhoven. Und noch etwas unterscheide NA von EMC: “Support fängt bei uns einfach damit an, dass die Kisten stabil laufen.”

silicon meint: Nun hat NA also endgültig den Sprung gewagt, den ihnen Analysten wie der Gartner-Mann Nick Allen schon so lange geraten hatten. Dem Kunden ist schließlich so ein jahrelanges, fast schon religiös angehauchtes Hickhack um die angeblich richtige Architektur sehr egal. Ob NAS, ob SAN: Er will gute Ware zum günstigen Preis.