Ehemaliger Intel-Mitarbeiter plaudert über P4-Probleme

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Hyperthreading sorgt für Leistungsschwäche

Im Oktober dieses Jahres kommt der Intel-Prozessor P4 mit 3,06 Gigahertz auf den Markt. Dieser soll erstmals ein Hyperthreading unterstützen. Ist jedoch einem früheren Intel-Mitarbeiter zu glauben, verursacht die Hyperthreading-Fähigkeit Leistungsschwächen. Und auch sonst soll der Pentium 4 grundsätzliche Probleme haben.

Brinkley Sprunt, der die Kritik geäußert hat, arbeitet heute als Assistenzprofessor im Fachbereich Elektrische Ingenieurwesen an der Bucknell University. Intel-Spezialist ist er, weil er im Architekturteam an der Entwicklung von zwei Prozessortypen des Herstellers mitgearbeitet hat: am 80960er, dem Pentium Pro sowie dem Pentium 4.

Letzterer kam im vergangenen Jahr auf den Markt. Sprunt veröffentlichte nun eine Schrift mit dem Titel “Pentium 4 Performance Monitoring Features” (0272-1732/02©2002 IEEE), die auf ein paar wesentliche Mängel der CPU hinweist.

Demnach hätte der P4-Prozessor mit Hyperthreading-Features ausgestattet sein können, ist es aber nicht. Stattdessen habe man die Transistoren auf dem Chip stillgelegt. Die Ausnahme bildeten lediglich Tests, bei denen die Performance überprüft werden sollte, bevor am 25. Oktober die nächste Prozessor-Variante herauskommt.

Die Performance scheint jedoch unsicher zu sein. Das Argument für ein Hyperthreading, bei dem die Threads eines Tasks parallel abgearbeitet werden, bedeutet eine Geschwindigkeitserhöhung. Eine Verdoppelung ist laut Sprunt jedoch nur der beste Fall. Genauso gut kann es sein, dass sich überhaupt kein Performance-Gewinn ergibt. Schlimmstenfalls halbiert sich die Geschwindigkeit sogar.

Der Professor stützt seine Aussagen auf Erfahrungen mit dem Xeon-Prozessor, der eine Zeitlang Hyperthreading-Funktionen aufwies. Diese CPU-Variante soll dem P4-Modell nahezu entsprechen.

Strunt weist darauf hin, dass das neue Modell im kommenden Monat erst einmal unter Beweis stellen müsse, dass es keine Performance-Einbußen verursacht. Doch laut Intel habe das Unternehmen niemals Hyperthreading mit einer Verdoppelung der lesitungsfähigkeit in Zusammenhang gebracht. Vielmehr werde im Schnitt eine 25prozentige Steigerung erzielt. Das bedeute, erläutert Christian Anderka, Pressesprecher bei Intel in Deutschland, dass in einigen Fällen gar nichts in anderen eine Verbesserung von 70 bis 80 Prozent eingetreten sei. Insgesamt erhoffe sich der Hersteller jedoch vor allem schnellere Antwortzeiten, wenn Hintergrundprozesse liefen.

Wie Sprunt jedoch außerdem bereichtet, verfüge der P4 noch über einige undokumentierte Bugs. Erst der neue Belichtungsvorgang , genannt Stepping C1, könne die unschönen Probleme ausbügeln, so der Ex-Intel-Mitarbeiter.

Zumindest diese Aussage bestätigt der Hersteller. In dem Dokument “Product Change Notification, Nummer 102547 – 02” fordert Intel zum Wechsel auf das Stepping C1 auf.

Generell jedoch, so Anderka, verfolge Intel eine sehr offene Politik, was System-Bugs anbelange. So finde sich auf der Website eine in regelmäßigen Abständen aktualisierte Liste mit Fehlern. Darunter seienAbweichungen vom dokumentierten Verhalten zu verstehen. Darüber hinaus würden lediglich Bugs, die als unerheblich eingestuft gälten, würden kein Bugfix erfahren.