Schlechte Zeiten sind gute Start-up-Ratgeber

Management

Betriebsräte anstelle von Mitarbeiteroptionen

Start-ups, die sich in schlechten Zeiten gründen, habe bessere Chancen zu überleben. Diese Wirtschaftsweisheit unterfüttert nun die US-Firma Venture One mit Zahlen aus dem vorläufig letzen Gründungs-Boom. Venture One beobachtet und berät die Risikokapital-Branche. Hierzulande aber fründen sich Betriebsräte.

1842 Neugründungen beobachtet Venture One im Jahr 1999, seit der ersten Finanzierungsrunde. Davon gingen mittlerweile 22 Prozent den Bach hinunter. In den sieben Jahren davor betrug die Rate der Firmenschließungen im Schnitt lediglich 15 Prozent. Von den Start-ups, die im Jahr 2000 flügge wurden, mussten inzwischen 18 Prozent dicht machen.

Nach Berechnungen von Venture One summieren sich die Investitionen, die in untergegangene Firmen flossen, seit 1999 auf rund 15,3 Milliarden Dollar.

Seit 1990 war die Zahl der Neugründungen zwar ohnehin bereits stetig gewachsen. Doch in der Dotcom-Euphorie verdoppelte sich die Anzahl von Gründungen, in die Venture Capital gepumpt wurde. Heute sagt John Gabbert, Vice President bei Venture One: ” Der Markt konnte eine solche Fülle von Firmen nicht verkraften.”

Der Zusammenhang von Pleiten und dem Erblühen von Internet-Firmen macht auch die Trennung nach Branchen deutlich. So gingen nur 9 Prozent der Start-ups ein, die im Gesundheitswesen anzusiedeln sind. Doch bei 20 Prozent der IT-Neugründungen ging inzwischen das Licht aus und bei 27 Prozent der Unternehmen, die mit Dienstleistungen ihr Geld verdienen wollten.

“Die Daten stützen die Theorie, dass man antizyklisch investieren sollte”, resümiert Gabbert. “Firmen, die in der Krise liquide werden, scheinen ein Geschäftsfeld gefunden zu haben, das den Zeitgeist überdauert.”

Hierzulande dokumentiert sich die Krise auch im Anstieg der Betriebsräte. Seit 1994 haben nicht mehr so viele Betriebsratsmitglieder eine Freistellung beantragt. Insgesamt gibt es derzeit rund 40 000 Betriebsratsgremien mit 220 000 Mitgliedern.

Insbesondere in den Start-ups der Hightech-Branche wollten die Mitarbeiter nichts von den vermeintlich überkommenen Rollenverteilungen Arbeitgeber und -nehmer wissen. Gefragt waren Gehälter mit einem hohen flexiblen Anteil an Erfolgsprämien oder Firmenanteilen sowie ein gutes Betriebsklima. Zurzeit steht jetzt aber wieder die Absicherung im Vordergrund der Arbeitnehmerschaft.

Doch laut dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) ist die Zahl der Betriebsräte seit 1998 auch durch die gesetzliche Erhöhung der Mandatszahlen gestiegen – um elf Prozent. Jetzt kann ab einer Betriebsgröße von 200 Mitarbeitern ein Betriebsrat für die damit verbundenen Aufgabe freigestellt werden. Vorher war eine Beschäftigtenzahl von 300 notwendig gewesen. Die neuen Bedingungen führten zur 35 Prozent mehr Vollzeit-Betriebratstätigkeiten als vorher.

Jetzt schlägt die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) wegen des damit verbundenen Kostenanstiegs Alarm. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft hatte geschätzt, dass die Wirtschaft mit Mehrkosten bis zu 1,5 Milliarden Euro belastet würde. Der BDA fordert betriebliche Vereinbarungen, die die gesetzlichen Regelungen durchbrechen können.