Knappe Kassen zwingen Anwender zum Outsourcing

Management

… und das IT-Management kann davon sogar profitieren

Outsourcing bleibt ein Zukunftsmarkt – auch wenn Deutschland aufgrund struktureller Besonderheiten nicht das gleiche Potenzial aufweist wie andere Länder. Potenzielle Kunden sollten sich jedoch ganz genau ansehen, wem sie ihre Informationstechnik anvertrauen. silicon.de sprach über die Perspektiven der Branche mit dem neuen Geschäftsführer des IT-Dienstleisters Telecity, Béla Waldhauser.

Innerhalb der wirtschaftlich hochentwickelten Länder Europas ist Deutschland in puncto Outsourcing ein Nachzügler. Dennoch ist Waldhauser optimistisch für die Branchenentwicklung. Nach den Vorhersagen der Marktforscher soll der Umsatz zwischen Flensburg und Friedrichshafen bis 2006 jährlich um 23 Prozent zulegen. Die Hightech-Krise – im übrigen hauptsächlich eine Krise der Telekommunikationsanbieter, wie Waldhauser anmerkt – habe zwar eine Delle in die ansonsten steil ansteigende Umsatzkurve geschlagen, doch an der grundsätzlichen Entwicklung nichts geändert.

Der Nachholbedarf Deutschlands in Sachen Outsourcing rühre von einer geographischen Besonderheit der Bundesrepublik: Während etwa Frankreich und Großbritannien sehr zentral strukturiert sind und lediglich eine echte Metropole aufweisen, hat die föderative Ordnung Deutschlands relativ viele kleine Unterzentren entstehen lassen. “Wer in London oder Paris ein Outsourcing-Rechenzentrum einrichtet, kann damit gleich 70 bis 80 Prozent seines Markts abdecken. In Deutschland muss man dafür mehrere Lokationen aufbauen”, sagt Waldhauser.

Der Kostendruck auf die IT-Abteilungen, davon ist Waldhauser überzeugt, werde die Anwenderbetriebe verstärkt zum Outsourcing greifen lassen. Die Dienstleister können sich dabei auf das Argument stützen, dass die DV in den wenigsten Betrieben zum Kerngeschäft gehört. Dennoch müssen Anbieter wie Telecity bei ihren Kunden zunächst eine ablehnende Haltung überwinden: Die IT-Abteilungen und deren Chefs bangen gerade jetzt um ihre Arbeitsplätze und Kompetenzen.

Solche Befürchtungen seien aber meist grundlos, wirbt Waldhausen. Zumindest der IT-Manager erfahre durch Outsourcing sogar eine Aufwertung: Outsourcing-willige Anwender müssten wesentlich präzisere Vorstellungen davon entwickeln, was ihre IT eigentlich leisten soll und kosten darf. Dies führe zu einer Professionalisierung des IT-Managements. “Das Bild des IT-Leiters wandelt sich, er wird zum Prozessmanager” sagt Waldhauser.

Die Betreuung der IT-Infrastruktur einem Dienstleister zu überlassen, bietet dem Anwender eine Reihe von Vorteilen. Die Unternehmen können sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, Kapital wird frei für umsatzrelevante Investitionen. Beschaffungskosten, etwa für Software-Upgrades oder neue Server, werden über ihre gesamte Nutzungsdauer verteilt. Das, so Waldhauser, führe zu einer Verstetigung der Ausgaben und damit zu einer besseren Planbarkeit.

Im Übrigen gibt Waldhauser einige Ratschläge für Outsourcing-Interessenten. Alle Anforderungen müssen demnach klar definiert werden. Der Anwender solle Vertragsstrafen festlegen für den Fall, dass der Outsourcer zugesagte Leistungen nicht oder nicht fristgerecht erbringe. Und vor allem solle er sich seinen Vertragspartner genau ansehen – auch und gerade was dessen Sicherheit und Solidität anbelange. Diesen Punkt bringt der Telecity-Chef sicherlich nicht ganz uneigennützig ins Gespräch, denn das Unternehmen soll im Gegensatz zu manchen Wettbewerbern schuldenfrei sein. “Wir erwarten in ganz kurzer Zeit bereits einen positiven Cash Flow”, klopft sich Waldhauser auf die Schulter.

Der Zeitpunkt für eine Outsourcing-Offensive scheint jedenfalls günstig. Erst kürzlich veröffentlichte die Deutsche Bank Pläne, ihre gesamte IT an IBM outzusourcen. “Wenn schon eine Großbank zeigt, dass sie einem Dienstleister so viel Vertrauen entgegenbringt, dann sollte auch der deutsche Mittelstand seine distanzierte Haltung überdenken”.