Mobilcom legt messerscharfes Sanierungskonzept vor

Management

UMTS-Netzaufbau auf Eis legen, Mitarbeiter entlassen

Und wieder einmal ist es ein Freitag, an dem die Mobilcom-Mitarbeiter eine Hiobsbotschaft erreicht. Heute hat der Aufsichtsrat sein Sanierungskonzept bekannt gegeben. Für fast die Hälfte der Angestellten ist die Zukunft im Büdelsdorfer Unternehmen besiegelt. Das Mobilfunkunternehmen muss nach eigenen Angaben 1850 von 5000 Stellen abbauen, um zu überleben. Das sind 44 Prozent der Arbeitsplätze.

In den nächsten Wochen wird es zwischen Vorstand und Betriebsrat vermutlich heiße Verhandlungen geben. Diskussionsthemen werden wohl der Sozialplan und Interessenausgleich sein. “Die schwierige Lage des Mobilcom-Konzerns erfordert einen harten und entschlossenen Maßnahmenkatalog”, sagt Thorsten Grenz, Vorstandvorsitzender der AG. “Das kurzfristig greifende Sanierungskonzept macht es uns möglich, unsere Geschäftsbasis zügig zu verbessern und effizient aufzustellen”, hofft der Spitzenmanager.

Die Firma teilte heute außerdem mit, das Unternehmen werde den Ausbau des UMTS- Bereichs einfrieren, aber an der Lizenz festhalten. Laut der Regulierungsbehörde kann die 8 Milliarden teure UMTS-Lizenz nicht verkauft werden, so verlangen es die strengen Richtlinien der Behörde. Einmal mehr wird deutlich: Die Mobilcom befindet sich in einer prekären, verzwickten Situation. Zwar sind die Büdelsdorfer im Vergleich zur Konkurrenz mit ihrem Netzaufbau relativ weit. Aber: Seit dem Rückzug von Großaktionär France Telecom ist das Büdelsdorfer Unternehmen auf sich gestellt, und kann sich allein keine Investitionen leisten. Jetzt müssen zuerst einmal die Kosten gesenkt werden. Kurzfristiges operatives Ziel sei es, das Service-Provider-Geschäft im ersten Halbjahr 2003 zurück in die Profitabilität zu führen, so eine Stellungnahme aus der Mobilcom.

Wesentliche Maßnahme des Sanierungspakets ist die Schließung der Standorte Hallbergmoos, Karlstein und Kiel. Vertrieb und Marketing der Tochterfirma Cellway werden nach Büdelsdorf verlagert. Auch der Kundendienst soll gebündelt werden. Diese Maßnahme trifft besonders die Call-Center-Aktivitäten am Standort Kiel – sie werden eingestellt; Büdelsdorf und Erfurt übernehmen den gesamten Kundenservice. Die Harmonisierung der Kundendienst-Prozesse führt zu weiteren Einsparungen beim Betrieb der Kundendienst-Hotlines und bei der entsprechenden IT-Entwicklung, teilte Grenz mit.

Einen positiven Aspekt gibt es heute dennoch: Nach der Bekanntgabe des drastischen Stellenabbaus zählte die Aktie von Mobilcom heute zu Stars an der Börse.