HP/Compaq – ein Jahr danach

Management

Eine Bestandsaufnahme

Vor einem Jahr gab HP die Übernahme von Compaq bekannt. Dass es dann doch bis zum Mai 2002 gedauert hat, bis das 18,7 Milliarden Dollar schwere Geschäft abgeschlossen werden konnte, haben die beiden Unternehmen vor allem den Grabenkämpfen innerhalb des HP-Konzerns zu verdanken. Leidenschaftlich hatte Gründer-Enkel Walter Hewlett gegen Carly Fiorina und ihre Fusionspläne gekämpft – und verloren.

Seitdem hat HP das erste Geschäftsquartal des fusionierten Unternehmens vorgelegt und gezeigt, dass vor allem diejenigen Bereiche gute Ergebnisse abliefern, die auch vor der Fusion zu den Aushängeschildern gehörten: etwa Imaging und Printing. Hier macht jedoch inzwischen auch Dell Ansprüche geltend und will unter eigenem Label Drucker anbieten. Trotzdem: alles im grünen Bereich.

Aus dem Bereich Middleware hat sich HP zurückgezogen und will dort mit Kooperationen gegen IBMs Websphere bestehen. Dabei hatte HP das Software-Haus Bluestone erst im vergangenen Jahr für 470 Millionen Dollar erworben. Grund für den Rückzug: die hohen Verluste. Hier verliert HP gegen IBM deutlich an Boden. Der Rückzug widerspricht auch dem Anspruch, ein One-Stop-Shop für Enterprise-Kunden zu sein.

Im Bereich Dienstleistungen und Consulting konnte IBM die Beratungssparte von Pricewaterhouse Coopers zu einem Bruchteil dessen übernehmen, was HP einmal hätte zahlen sollen. Zusammen mit den IBM Professional Services ein unüberwindbarer Gegner für HP? Microsoft leistet jedenfalls Schützenhilfe und lagert den gesamten Support an HP aus.

Bei PCs und Highend-Servern konnte HP zusammen mit Compaq die Spitzenposition im Markt erringen, doch bröckeln hier die Marktanteile zusehends. Nach Prognosen von Gartner Dataquest wird Dell im PC-Markt bald wieder die Nummer eins sein und auch im Servermarkt sehen die Marktforscher für HP keine rosige Zukunft. HP hofft jedoch, den PC-Bereich bis Mitte 2003 profitabel machen zu können.

Bleiben die Mitarbeiter, die ebenfalls für die Kosteneinsparungen herhalten müssen. Wenn es mit der Wirtschaft nicht bald aufwärts geht, so vermuten Analysten, müssen möglicherweise weit mehr als die bisher geplanten 10 000 gehen.

silicon meint: Die Strategie hinter der Übernahme ist bis heute nicht klar geworden. Außer dem Zusammenlegen von Produktlinien und Kosteneinsparungen ist bisher nicht viel passiert. Die erzwungene Eiszeit bis zum Abschluss der Übernahme haben die lieben Mitbewerber wie IBM und Dell genutzt. Es wird Zeit, dass HP ein Erfolgskaninchen aus dem Hut zaubert. Denn Kosten sparen erweitert keine Marktanteile. Sonst profitieren am Ende die anderen am meisten davon, dass es kein Unternehmen Compaq mehr gibt.

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