IT-Firmen hoffen umsonst auf ein baldiges Wunder

Management

Wenn 2003 Aufschwung, dann nur leicht

Kaum wird’s herbstlich, raschelt es bereits im Blätterwald mit Marktprognosen für das kommende Jahr. Den Reigen eröffnet heuer das in Stamford, Connecticut ansässige Marktforschungsunternehmen Meta Group – in Moll. In helleren Tönen beschreiben die Aberdeen Group, die Gartner Group und Forrester den Verlauf bis zum Jahresende und darüber hinaus.

Die Ausblicke der diversen Marktbeobachetr stützen sich auf die geplanten IT-Ausgaben der Anwenderunternehmen. Und da sieht es in diesem Jahr zumindest etwas besser aus als im vergangenen. Nach Erhebungen der Aberdeen Group gehen die Ausgaben im laufenden zweiten Halbjahr weltweit um etwa 3,1 Prozent in die Höhe. In den USA zöge das Geschäft demnach sogar um 4,3 Prozent an.

“Das ergibt kein glanzvolles Bild”, räumt Hugh Bischop, Senior Vice President der Aberdeen Group ein. Doch zugleich betont er, es sähe sehr viel besser aus, als ein Jahr zuvor. Die 150 Unternehmen, die vor kurzem befragt worden seien, hätten durchschnittlich eine Erhöhung ihres IT-Budgets von 3,7 Prozent geplant. Im Vorjahr dagegen waren sie von einer Reduzierung um 1,4 Prozent ausgegangen.

So hoffnungsvoll die Zahlen auch stimmen, sie bedeuteten keinesfalls eine dauerhafte Besserung für die IT-Branche. Die Firmen geben nach wie vor nur das Notwendigste aus.

Gartner-Analystin Barbara Gomolski pflichtet dieser Ansicht bei. Die Anwenderunternehmen würden in geschäftskritischen Bereichen tatsächlich ihre Ausgaben erhöhen. Sie sieht die daraus resultierenden positiven Impulse für den IT-Markt, beziehungsweise für einige Marktsegmente allerdings erst für das kommenden Jahr voraus.

Ihre Prognose verbindet Gomolski allerdings mit einer Warnung. Anwenderunternehmen sollten ihr IT-Budget bis maximal 75 Prozent für die Pflege und Wartung bestehender Systeme verwenden. Dann bleibe noch ein Spielraum von 25 Prozent für neue IT-Vorhaben. Sinke dieser Ausgabenanteil unter 25 Prozent, liefen die Firmen Gefahr, zu viel in die bestehende und veraltende Technik zu investieren. Ein Aufholen würde dann umso teuer.

Die Ausgaben scheinen immer mehr auch nach Branche zu variieren. Wie die Marktforscher von Forrester Research um die Mitte des Jahres herausfanden, wollen Consumer-orientierte Dienstleister ihr IT-Budget noch in diesem Jahr um 8,1 Prozent nach oben fahren. High-tech-Firmen dagegen planen Einsparungen von durchschnittlich 8 Prozent.

Trotzdem rechnet auch Forrester mit einem leichten Aufwärtstrend. Senior Analyst Tom Pohlmann nennt ein gesamtes Plus von 2,3 Prozent gegenüber 2001 bei den IT-Ausgaben zum Jahresende.

Dagegen sieht die Meta Group erst einmal schwarz. Dieses Jahr wird der IT-Markt mit einem Umsatzschwund von 12 Prozent zu rechnen haben. Auch darüber hinaus bleibt es duster. Rechnet man die jetzt geplanten IT-Ausgaben hoch, nähme das Volumen im kommenden Jahr um nochmals 15 Prozent ab. Um zu diesem Ergebnis zu gelangen, befragten Mata-Group-Analysten 1000 Firmen in 47 Ländern.

Es gibt aber auch paar Lichtblicke. Die Marktforscher teilen den IT-Markt in 33 Kategorien ein. So stehen Web-basierte Anwendungen hoch im Kurs. Rund die Hälfte der Anwenderfirmen geben derzeit mehr aus als noch im vergangenen Jahr. Nur 18 Prozent investieren weniger. Besonders gefragt sind interne Anwendungen, für die Web-Technik benutzt wird.

Die 33. Kategorie lautet “Sonstiges” und ist nicht genauer aufgegliedert. Das ist schade; denn dort scheinen Nischen zu stecken, die durchaus profitabel sind. So gaben mehr als 50 Prozent der Befragten an, sie wollten für “Sonstiges” mehr ausgeben als im vergangenen Jahr.