NAS als Fußangel: Maxtor gibt auf

Management

Keine Experimente mehr?

Mit einer Überraschungsmeldung wartete der Speicherhersteller Maxtor letzte Woche auf: Er schloss sein gesamtes, erst 1999 mit der Übernahme von Creative Design Solutions (CDS) begonnenes Geschäft für Network Attached Storage (NAS). Die ehemaligen CDS-Produkte tragen nun die Bezeichnung Max-Attach.
Überraschend erscheint dieser Schritt deshalb, weil gerade in diesem Bereich für andere Unternehmen vergleichbarer Größenordnung, wie Quantum beispielsweise, einiges zu holen zu sein scheint. Kaum ein Quartal vergeht für diese Firma ohne neue Produktankündigung im NAS-Feld.

Bei Maxtor hingegen können die 230 NAS-Spezialisten ihren Hut nehmen. Was bleibt, sind die Festplatten- und die Laufwerkeabteilung – also das ursprüngliche Geschäft, mit dem das kalifornische Unternehmen vor zehn Jahren startete.

“NAS ist der Klotz an unserem Bein”

Aber wer trägt die Schuld an der NAS-Misere des Herstellers? Didier Trassaert, Vice President Maxtor EMEA, macht es sich im Gespräch mit silicon.de einfach: “Als wir 1999 durch eine Akquisition mit dem NAS-Geschäft begannen, sagten die Analysten, der Markt werde geradezu explodieren – tat er aber nicht.” Um die eigenen Verluste zu reduzieren, habe man sich entschlossen, die Abteilung mit den größten roten Zahlen abzutrennen.

“Obwohl das NAS-Geschäft nicht unsere Kernkompetenz war, haben wir sehr viel Energie hineingesteckt – diese Energie werden wir jetzt einsetzen, um wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen”, so Trassaert. Er räumte aber gleichzeitig ein, dass NAS real nur einen kleinen Teil des Geschäftes ausgemacht habe.

Besonders die Tatsache, dass der Anbieter plötzlich in einem fremden Segment mit guten Festplattenkunden konkurrierte, scheint wenig durchdacht gewesen zu sein. “Allein aufgrund unserer Größe können wir in Fragen der Konkurrenz mit Partnern nicht so vorgehen wie Brocade oder IBM”, lautet die lapidare Erklärung des Europa-Chefs.

Freund oder Feind

Nun sollen eben die dreistelligen Millionenverluste wegfallen, die das NAS-Geschäft gemacht habe, rechtfertigt der Maxtor-Manager den Schritt. Vor allem habe der Abteilung das Genick gebrochen, dass die Festplattenkunden Dell und IBM inzwischen eigene NAS-Produkte anböten und deshalb für die einzig profitable Vertriebsarbeit, nämlich Festplatte und Max-Attach-Produkt im Paket zu verkaufen, nicht greifbar gewesen seien, so heißt es.

“Gerade HP und IBM sind fast zeitgleich mit uns im NAS-Markt gestartet, das war das Ende für uns.” Tasseart vergisst hierbei nur zu erwähnen, dass die eigenen Produkte im Low-end einsetzbar sind, während die genannten Firmen ihre Dollars mit weitaus komplexeren Maschinen verdienen.

Keine Experimente mehr

Und nachdem sich das Unternehmen die Finger verbrannt hat, will es von weiteren Experimenten absehen: “Wir kehren diesem Geschäft definitiv den Rücken, egal, wie sich der NAS-Markt künftig entwickeln sollte.” So verabschiedet sich ein kleiner Mitbewerber mit einem Marktanteil von 1,8 Prozent im Jahr 2001 aus einem eigentlich profitablen Marktsegment.

Über dieses Stück des Storage-Marktes sagt beispielsweise Greg Reyes gern, der CEO des SAN-Konzerns Brocade: “Ob NAS, ob SAN, in den Speichernetzwerken liegt in den nächsten zehn Jahren die Zukunft.” Und übrig bleiben auf der NAS-Bühne: Hewlett-Packard (HP), Dell, am unteren Ende Quantum, sowie am oberen Network Appliance.

NAS-Geschäft zu komplex für Anfänger

“Maxtor hat die richtige Entscheidung getroffen”, sagt auch Norbert Deuschle, Senior Consultant und Speicherexperte bei dem Marktforschungsunternehmen Meta Group. “Sie haben eher das Low-end bedient, und dort ist nun wirklich nichts besonderes zu holen”, so der Fachmann.

Genauer ausgedrückt: “Es gibt in diesem Produktsegment, das vor allem die Abteilungsebenen bedient, keine Alleinstellungsmerkmale bei den Produkten. Umso härter sind die Bandagen, wenn es um den Preis geht.” Durch die wenigen Funktionen, die die Produkte benötigten, gebe es auch wenige Besonderheiten zu verkaufen. Nur die “Speicherumgebung dahinter” sei in diesem Bereich techniklastig und diffizil.

Stolpernde Elefanten

Obwohl viele Unternehmen den Storage-Markt als Geldquelle entdeckten, hätten sich Firmen wie Bea und jetzt auch Maxtor aus einzelnen Bereichen zurückziehen müssen. “Storage geht eben nicht so nebenbei”, rügt er. So habe Bea seine Storage-Management-Versuche, und Maxtor eben nun sein NAS-Geschäft folgerichtig aufgeben müssen.

Selbst Großunternehmen wie IBM hätten lange gebraucht, um den Storage-Markt für sich zu erobern und entscheidende Marktanteile zu sichern. “Anfangs hat IBM das alles unterschätzt und erst mit der richtigen Aufmerksamkeit und Zähigkeit nach zehn Jahren dem Marktführer EMC langsam einen Brocken abgerungen – das ist keine Frage von heute oder morgen”, führt der Senior Consultant an.

Mit einer solch langfristigen Strategie, so Deuschle, wäre Maxtor im Low-end-NAS aber schlecht beraten gewesen. “Maxtor verkauft nun einmal Laufwerke und Festplatten, und das auch sehr gut”, stellt er klar. “Um Allrounder zu sein, muss man schon die Größe von HP und IBM haben – die können sich das nicht nur, die müssen sich das sogar leisten bei Strafe des eigenen Untergangs.”