Auch das noch: Linux wird zum Politikum

Management

Menschen, Computer, Emotionen …

In den vergangenen Monaten wurde über den Einsatz von Linux als Betriebssystem immer wieder in Parlamenten und Parteien leidenschaftlich debattiert und gestritten. Dass die Anhänger der Open-Source-Software für ihre Sache auf die Straße gehen, ist dagegen neu.

Rund 100 Demonstranten zogen am Wochenende vor die amerikanische Unternehmenszentrale des Softwareherstellers SCO in Lindon (Utah). Sie warfen dem Unternehmen vor, mit seinen Mahnschreiben gegen Unternehmen, die Linux verwenden, die Software zu diskreditieren.

Dem SCO-Management hielten die Software-Bewegten Plakate mit der Aufschrift “Ich nutze Linux, bitte verklagt mich!” entgegen. SCO wirft unter anderem IBM vor, Code aus Unix sei unrechtmäßig in Linux eingeflossen. SCO bemüht sich derzeit darum, IBMs Unix-Lizenz für ungültig erklären zu lassen.

SCO reagierte mit einem ungewöhnlich offensiven Schritt auf die Demonstration. Schon kurz nach Beginn der Proteste mischten sich auch SCO-Mitarbeiter unter die Gruppe und hielten ebenfalls Plakate hoch: Darauf war unter anderem zu lesen “Ich liebe Software-Piraterie”, “Ich zahle nicht für Musik, ich zahle nicht für mein OS – also verklagt mich” oder “Probier den Kommunismus – Nutze Linux!”

Währenddessen verschärft sich auch in der bayerischen Landeshauptstadt München der Ton in der Linux-Auseinandersetzung, hier zwischen Wirtschaft und Politik. Microsoft kritisierte jetzt eine Plakataktion der Münchner Landtagsabgeordneten Monica Lochner-Fischer in scharfem Ton. Die Politikerin wirbt seit kurzem mit dem Slogan “Mehr Linux – mehr Freiheit” für sich und die Sozialdemokraten.

Im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin Focus wies ein Firmensprecher darauf hin, dass Microsoft Deutschland seinen Sitz in der Nähe von München und hier rund 1100 Arbeitsplätze geschaffen habe.

Den politischen Vorwurf von Lochner-Fischer bezeichnete der Sprecher als “Farce”. Die Politikerin empfahl Microsoft daraufhin, sich als IT-Dienstleister zu betätigen und sich um die Linux-Migration der 14 000 Clients der Stadtverwaltung zu bewerben.