McNealy mobilisiert die Massen gegen Microsoft

Management

“Bohnenkrieger” wallfahren zum “Rave”

Mit einer groß angelegten Offensive will der Sun-CEO Scott McNealy gegen den Erzrivalen Microsoft antreten. Die Java-Software und einige Tools sollen künftig auch als Marke bekannter werden. Und zwar als Verbrauchermarke, sagte McNealy anlässlich der Konferenz JavaOne 2003.

Ähnlich dem Logo “Intel Inside” soll die Kaffeetasse auf den mit der entsprechenden Software ausgestatteten Rechnern erscheinen. McNealy: “Wir gehen aus der Defensive heraus und in die Offensive; nachdem wir acht Jahre lang diese Marke aufgebaut und geschützt haben, ist es jetzt Zeit dafür.”

Die Verbraucher seien schließlich so weit, Java auch auf mobilen Endgeräten zu verlangen. Und dies würde die gesamte Art und Weise verändern, wie Software verkauft wird: “Das beendet die Ära, in der Software separat vom Gerät verkauft wurde.” McNealy sagte, er habe Java in der Vergangenheit nicht, wie viele Kritiker sagten, überbewertet, sondern unterbewertet. Und das wolle er nun ändern.

Die Darstellungssprache, so hofft Sun, werde sich bei den Programmierern so schneller durchsetzen. Bislang gibt es drei Millionen Java-Gemeindemitglieder. Diese Zahl soll nun binnen drei Jahren auf 10 Millionen anwachsen. Branchenkenner von der Meta Group gehen allerdings eher von 5 bis 6 Millionen im Jahr 2006 aus.

Doch Scott McNealy ist da zuversichtlich und “redet Java (Scott speaks Java)” – wohl im Sinne von Klartext reden: “Java hat summa cum laude abgeschlossen, wenn es um Skalierbarkeit, eine aktive Nutzergruppe, Auswahlmöglichkeiten, niedrigste TCO, das Verhältnis zu anderen Plattformen und um Sicherheit geht.” Dies möge die Fachwelt, rief er den 10 000 anwesenden Entwicklern zu, mit Microsofts Pendant Dotnet vergleichen, das “in nahezu jeder Disziplin durchgefallen ist”.

Für die Verbreitung soll auch beitragen, dass Java nunmehr einfacher zu handhaben sei. Die bereits vor einer Woche bekannt gewordenen Neuerungen und Vereinfachungen unter dem Namen “Rave” sind für die “Bohnen-Krieger” (Bean Warriors), wie sich Java-Entwicklergruppen in den 90ern manchmal nannten, recht bedeutsame Alltagshilfen.

Außerdem stieß die Nachricht auf offene Ohren, dass eine virtuelle Entwicklerplattform eingerichtet ist. Gut abgezirkelt kommt auch die neue Partnerschaft mit Dell und Hewlett-Packard daher. Beide PC-Hersteller, die einen gewaltigen Anteil des Weltmarkts an PCs repräsentieren, haben vereinbart, ihre Desktops auch mit Java-Tools auszustaffieren. Vorinstalliert also.

Bisher hatten sie die Java Virtual Machine von Microsoft installiert. Dieses Übersetzungstools ermöglicht das Lesen und Installieren von Java-Applikationen auf dem Microsoft-Betriebssystem. Um dieses Tool und noch zu beweisende Veränderungen, die Microsoft zugunsten der eigenen Programme an Java vorgenommen haben soll, dreht sich ein seit März 2002 laufender Gerichtsprozess.

Und es gibt neuerliche Nadelstiche von Suns CEO gegen den Rivalen, wenn er zu den Übernahmegerüchten um Sun klarstellt: “Nehmen wir einen Wert von etwa 5 Dollar je Aktie. Multipliziert mit 3,3 Milliarden Aktien im Umlauf kommt man auf 15 bis 20 Milliarden Dollar. Und aufgeschlagen noch eine Prämie – und zwar in bar, nicht in Aktien. Überlegen Sie mal: Welcher noch nicht überführte Monopolist kann sich das leisten?”

Silicon meint: Auch wenn Hamburger Nachrichtenmagazine Scott McNealy als College-Boy bezeichnen – gerade seine Seitenhiebe auf den Branchenelefanten machen zuweilen gleich die ganze Firma sympathisch. Allerdings muss er sich in vieler Hinsicht sputen: Der Java-Prozess wird nicht einfacher zu gewinnen, je länger er dauert. Und die Aussicht, übernommen zu werden, muss nicht die Rosigste sein – wie die aktuelle Übernahmeschlacht bei den Business-Anwendungen zeigt. Beruhigend nur, dass solche Fusionen oft zu langwierigen Magenschmerzen führen. Und der doch schon beträchtlich gewachsene Fisch Sun schlüpft den Interessenten vielleicht noch mal durch die Maschen. Denn ein Aktienverlust von der Hype-Zeit 2000 herab gerechnet von 92 Prozent ist zwar kein Pappenstiel, aber mal ehrlich: Die Zeiten sind doch für jeden schlecht.