Open-Source mischt relationale Datenbanken auf

Management

Gewöhnungseffekt greift jetzt schon

Die Welt der relationalen Datenbanken in Unternehmensumgebungen aller Größen scheint weitestgehend stabil strukturiert: Hier teilen sich IBM und Oracle das High-End und den Midrange-Bereich, Microsoft sammelt die Kunden ein, die gleiche Funktionen für weniger Geld und mehr Abhängigkeiten haben wollen.

Doch neuerdings setzt sich bei immer mehr Implementierungs-Entscheidungen die Open-Source-Alternative MySQL durch. In Sachen Verfügbarkeit, Sicherheit und Stabilität – nicht zuletzt auch beim Preis, habe die Datenbank ein paar entscheidende Vorteile gegenüber proprietären Systemen. Die Marktforscher der Meta Group haben dafür ein paar grundlegende Erklärungen.

So verschwinde Unix aufgrund der verteilten Serverumgebungen auf Intel-Basis zunehmend aus den IT-Abteilungen. Zunehmen werden dagegen solche Betriebssysteme, die besser an die Umgebungen angepasst sind, also solche auf Microsoft- und Linux-Grundlage. Speziell der Zuwachs an Linux-Datenbanken gehe zu Lasten von Unix-Umgebungen, heißt es in einem aktuellen Bericht der Meta Group zum Thema Open-Source-Datenbanken.

Bis 2008 soll sich demnach die Mehrheit der IT-Abteilungen aufgrund der Kosten-Nutzen-, sowie auch der Kosten-Risiken-Rechnung für eine Open-Source-Umgebung in geschäftskritischen IT-Ebenen entschieden haben. Vorläufer und Wegbereiter dabei sollen die jetzt anlaufenden und bis 2006 allgemein durchgesetzten Trends hin zu Open-Source in nicht geschäftskritischen Umgebungen wie Betriebssysteme und Web-Server sein.

Damit aber Datenbanken wie das kommerzielle Open-Source-Modell “MySQL”, dessen Marke und Code bei der Firma MySQL AB liegen, sich durchsetzen können, raten die Experten zu mehr Aufklärungsarbeit. So sei es weitestgehend unbekannt, heißt es in dem Bericht, dass hinter der Datenbank ein physisches Unternehmen stecke, das die Software unter der GPL-Lizenz vertreibt – durchaus auch an Linux-Distributoren wie Redhat, aber eben auch direkt. Eine Mailing-Liste, die die Nutzer verbindet und 24x7x365-Support seitens der MySQL-Entwickler bei MySQL AB ermöglicht, wird von den Nutzern als in “99 von 100 Fällen nützlich” beschrieben.

Zwar helfe die typische, offene Netz-Struktur eines Produkts wie MySQL bei der Verbreitung, weil die Nutzer untereinander in Verbindung stehen, für gute Erfahrungen selbst werben und Programmzeilen austauschen – beispielsweise, so die Marktbeobachter, bezeichnen sich MySQL-Admins nicht als Admins, sondern als Programmierer oder Datenbank-Designer. Und außerdem seien 27 000 Downloads der Datenbank am Tag als Erfolg nicht von der Hand zu weisen. Auch erste Feldversuche mit der neuen Version 4.0 lasse die Open-Source-Datenbank bei Schnelligkeit und Systemstabilität klar an Oracles 9i vorbeiziehen.

Aber die damit verbundene Kultur schrecke immer noch viele IT-Leiter und vor allem CEOs aus Großunternehmen ab. Das Image von Hacker-Gemeinden hafte dem Produkt an, so die Analysten. Dies allerdings zu unrecht, da in MySQL AB ja tatsächlich eine juristische Person “greifbar” sei.

Großkunden und ihre geschäftskritischen IT-Schichten sind allerdings schwierig zu erreichen, da sie, so die Meta Group, weiterhin große Vorbehalte wegen Support-Fragen und Unklarheiten über die Update-Sicherheit haben. Sie gehen demnach immer noch, da jahrzehntelang von den Software-Herstellern herangezüchtet, mit einem sogenannten “Feature-Blick” Datenbanken kaufen. Dieser Aspekt, der ausschließlich die proprietären Softwareprodukte distinktiv macht, greife aber bei Open-Source-Produkten nicht und müsse erst noch abgestellt werden.

Abschließend bescheinigt Studienautor Charlie Garry der Datenbank gute Chancen, einen ähnlichen Weg zu gehen wie der Server SQL. Auch diese Open-Source-Variante habe sich in Unternehmensumgebungen aller Größen quasi “von unten nach oben” durchgesetzt. Hier habe die Verträglichkeit mit Open-Source-Applikationen in der IT-Landschaft dem Server zum Durchbruch verholfen – der Datenbank prophezeit er mittelfristig auch diesen Erfolg.

silicon meint: Softwarelandschaften wachsen organisch, nicht strategisch – so lautet ein wichtiges Fazit von Charlie Garry. Sich dementsprechend zu verhalten, haben aber weder die meisten IT-Leiter noch ihre Finanz-Chefs bis jetzt gelernt. Wie sonst ist der Zulauf zu erklären, den proprietäre Software immer noch findet?