IT- und E-Berufe: Wo bleibt der Nachwuchs?

Management

Ehemaliger Trendberuf ist nur noch theoretischer Hoffnungsträger

Die Anzeichen, dass die Entwicklung der Informationstechnologie in Deutschland positiv verläuft, sind da. Dieser Meinung sind nach einer Umfrage des Verbands der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) mehr als 51 Prozent von 1000 Befragten. Wenn man die Altersgruppe der unter 34-Jährigen betrachtet, sind es sogar noch mehr: ganze 56 Prozent sind hier vom dauerhaften Erfolg der IT als Antreiber der Wirtschaft überzeugt.

Unverständlich ist dabei aber die Zahl derjenigen, die die IT aufgrund ihrer Überzeugung folgerichtig zu ihrem Beruf machen. Sie ist nämlich weiter gering. Jörg Thielges, IBM-Manager und im VDE für Informationstechnik zuständig, hat hierfür keine Erklärung. Er stellte am Rande der CeBIT nur die Tatsachen fest, die laut EITO-Report so aussehen: “Mit lediglich 6000 Absolventen der Ingenieurswissenschaften für Elektrotechnik ist der niedrigste Wert seit 1985 erreicht. Der Mindestbedarf liegt jedoch bei 13 000 Elektroingenieuren im Jahr.”

Im Vergleich zum Vorjahr, so meldet der VDE, haben sich mit 17 080 um 1,8 Prozent weniger Studenten an deutschen Hochschulen für die IT-relevanten Fächer eingeschrieben. An den Universitäten liegt dieser Prozentsatz sogar noch niedriger. Ganze 17 Prozent weniger Studienanfänger gibt es hier in diesem Studienjahr. Die Informatik allein blute aus, sagt VDE-Mann Thielges.

Auch wenn im Hype-Jahr 2000/2001 sich eine sehr hohe Anzahl von Studenten in das besagte Fach eingeschrieben hätte – die Zahl der Abbrecher sei wegen der Krise eben auch sehr hoch gewesen. Thielges: “Wir rechnen uns hier rückwirkend anhand der Zahl derer, die das Studium abschließen werden, einen Schwund von etwa der Hälfte aus, die in die freie Wirtschaft gelockt worden sind und ohne Diplom in der Tasche. Zum Teil sogar noch vor dem Vordiplom. Hier haben wir also keine ausgebildeten IT-Profis vor uns, auch wenn diese Leute natürlich Praxis vorweisen können.”

Thielges findet diese Zahlen besonders besorgniserregend, denn: “Ingenieure der Elektro- und Informationstechnik sind ein wesentliches Potential für mehr Innovationen und schlichtweg für das Wirtschaftswachstum.” Eine nicht geringe Anzahl der vom VDE Befragten hat hier sogar schon feste branchenspezifische Prognosen abgegeben. So werde mehr IT-Entwicklung für die Telemedizin besonders vielversprechend sein, finden 43 Prozent der Befragten. Erfolgversprechende Anwendungsgebiete der Informationstechnik sieht die gleiche Anzahl in der Bildung und Forschung. 37 und 39 Prozent betrachten die Informationsdienste und Teleworking-Anwendungen als guten Wachstumstreiber. Fehlen nur noch die Fachleute, die sich dieser Gebiete annehmen.