Illegaler Chip-Handel: US-Justiz kapert Website

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… und hat Zugriff auf die Daten von 100 000 registrierten Nutzern

Mit der Narrenfreiheit im Internet scheint es vorbei zu sein, wenn der neueste Streich der US-Justiz Schule macht: In einem beispiellosen Vorgang haben jetzt die Justizbehörden eine Website konfisziert, über die in der Vergangenheit Informationen über Raubkopien von Software verteilt und illegale Halbleiterbausteine gehandelt wurden.

Betreiber der Site iSONews.com war bis Dezember David Rocci, in einschlägigen Kreisen auch als “krazy8″ bekannt. Er wurde beim Importieren und Handeln mit sogenannten Mod-Chips über seine Website auf frischer Tat ertappt. Mod-Chips sind Halbleiterbausteine, welche die werkseitigen Einstellungen von Spielkonsolen wie Sonys Playstation oder Microsofts Xbox verändern können.

Die Konfiszierung der Website ist allerdings erst letzten Donnerstag offiziell bekannt gegeben worden. Seitdem besteht sie lediglich aus einer Erklärung des US-Justizministeriums und der Zollbehörde. Der Betrieb der Website zwischen Roccis Geständnis im Dezember und letzter Woche ging wie gewohnt weiter.

Das bedeutet, dass die Behörden in Besitz der Logfiles und der Registrierungsdaten von rund 100 000 registrierten Nutzern sind. Selbst wenn für die Registrierungen, wie bei solchen Sites üblich, größtenteils Pseudonyme verwendet wurden, kann die Justiz aufgrund der IP-Adressen einzelne Nutzer herausfinden. Per Gesetz sind ISPs dazu verpflichtet, solche Daten herauszurücken, sowohl in USA als auch in Europa.

Der einmalige Vorgang wirft viele Fragen hinsichtlich Datenschutz auf, unabhängig davon was die Behörde mit den Daten nun machen wird. Wird schon der Besuch einer solchen Site mit dem Zweck, Informationen über Raubkopien und entsprechende Bezugsquellen zu holen, zur Straftat? Wie werden registrierte Nutzer behandelt, die solche Informationen in den entsprechenden Foren weitergeben?

Außerdem: War die Konfiszierung der Website überhaupt rechtens? Zwar hat der zweiundzwanzigjährige Rocci offiziell die Site als Teil seines Geständnisses den Behörden überschrieben, doch wie viel und welche Art von Druck war dabei im Spiel?

Die Behörde schweigt sich momentan darüber aus und droht in ihrer Erklärung mit bis zu fünfjährigen Haftstrafen und Strafzahlungen in Höhe von 500 000 Dollar für das Vertreiben von Raubkopien und illegaler Hardware. Das wäre auch die Höchststrafe, die Rocci erwarten könnte. Das Urteil soll am 7. März gesprochen werden.