Hacker-Urteile: US-Anwälte kritisieren zu radikale Justiz

Management

IT-Sicherheitsforschung in Gefahr?

In den USA regt sich Widerstand gegen die Praxis der Justiz, Straftaten im Cyberspace besonders hart zu bestrafen. Der Bundesverband der Strafverteidiger kritisiert in einem gemeinsamen Papier mit der Electronic Frontier Foundation, vergleichbare Rechtsverstöße würden mit ungleich drakonischeren Sanktionen belegt, wenn sie in Unternehmensnetzen oder über das Internet begangen würden.

Vor allem wenn es darum gehe, den entstandenen Schaden zu beziffern, neigten die Richter zu Beliebigkeit und nähmen oft eine nur mögliche Schädigung als Grundlage ihrer Urteile, heißt es in dem Papier, das der Strafmaß-Kommission der Vereinigten Staaten vorgelegt werden soll.

Während sonst etwa von “Betrug” die Rede sei, werde bei einer elektronisch begangenen Straftat sehr schnell über “Terrorismus” verhandelt. Ein Fall, auf den diese Bezeichnung zutreffen würde, sei aber bis zum heutigen Tag noch nie verhandelt worden.

Die Interessengruppen und Anwälte fürchten nun, dass das Gesetz zur Inneren Sicherheit, das nach den Terroranschlägen vom September 2001 auch die IT-Sicherheit stärken sollte, zu noch radikalerer Rechtsprechung führen werde.

Dann aber, so warnen die Studienautoren, werde die Arbeit von Sicherheitsexperten behindert, die sich bei ihrer Suche nach Sicherheitslücken und deren Veröffentlichung dem Vorwurf der IT-Gefährdung ausgesetzt sehen könnten. Außerdem werde durch die derzeitige Praxis der Gerichte die Softwareindustrie beeinträchtigt, wenn die Hersteller für Programmierungsfehler zur Rechenschaft gezogen werden könnten.