IT-Ausgaben: Aufschwung oder Fata Morgana?

Management

Amerika hängt die Europäer ab

Am IT-Horizont ist ein Silberstreif zu erahnen – zumindest wenn man die Investitionsbereitschaft für Informationstechnologie bereits für bare Münze nehmen will. Prognosen von Forrester und ‘Search Systems Management’ sehen einige Bereiche vorn.

IT-Services beispielsweise könnten mit einem Umsatzzuwachs von 1,2 Prozent rechnen, so Forrester-Analyst Charles Homs. Für die Dienstleister im Bereich Telekommunikation seien Zuwächse von 2,2 Prozent realistisch, auch wenn die TK-Anbieter selbst in die Hardware wegen ihrer schwierigen Lage wohl kaum investieren dürften, auch wenn die Zahl der Mobilfunkkunden wie erwartet noch einmal um 6 Prozent zunehmen wird.

Gut sehe es auch für die Dickschiffe wie SAP, Oracle und IBM aus, die mit einem Wachstum zwischen 5 und 10 Prozent rechnen könnten, so Homs. Die großen Unternehmenskunden hätten durchaus noch Spielraum in ihren Budgets, um in Outsourcing-Projekte und Management Consulting zu investieren.

Positiv stimmt auch eine Umfrage von SearchSystemsManagement.com: 60 Prozent der befragten IT-Profis meinen, dass ihre Ausgaben gegenüber dem Minus-Jahr 2002 wieder höher ausfallen werden. Mehr als ein Viertel hält sogar einen Zuschlag von mehr als 10 Prozent für realistisch – oder geboten -, während jeder sechste zumindest ein Plus zwischen 6 und 10 Prozent erwartet. 20 Prozent der Befragten allerdings meinen, dass ihr Budget auf dem Vorjahresniveau eingefroren bleibt.

Ausgabefreudig wollen sich die Verantwortlichen für’s IT-Budget vor allem bei Hardware für die Netzwerkausstattung zeigen, außerdem bei Sicherheitsprodukten, Server-Ausstattung, Desktops und Storage-Hardware. Eine verbesserte personelle Ausstattung sei jedoch kaum zu erwarten, heißt es.

Die aber könnte wohl fast jeder Admin brauchen, weil die anstehenden Projekte durchaus ambitioniert sind, die Search Systems aufzählt: Jeder dritte IT-Leiter will die Speicherlandschaft erweitern, jeder fünfte neue Windows-Server anschaffen. Bei einem Viertel stehen neue Desktop-Systeme auf der Agenda sowie neue Sicherheitsvorkehrungen samt Patches, die aufgespielt werden sollen.

Anlass zu Sorge gibt allerdings die IT-Ausgabenentwicklung im Vergleich zwischen Europa und den USA: Forrester beklagt, dass die Schere auf 4,5 Prozent aufgehen werde, die Amerikaner wenden im laufenden Jahr dann voraussichtlich 63 Milliarden Euro mehr für ITK-Produkte und -Dienstleistungen auf als die Europäer. Weil sich die Nachfrage in Deutschland besonders schwach entwickeln werde, könnte Großbritannien die Bundesrepublik als größten IT-Markt auf dem alten Kontinent ablösen, analysiert Charles Homs.

Schon im kommenden Jahr werde die ITK-Branche in Europa nur noch 6,9 Prozent zum Bruttosozialprodukt beitragen, während sie in den USA dann 9,6 Prozent beisteuern könne. Der Grund: Die europäische Software-Industrie wird bis Ende 2003 um 2,2 Prozent schrumpfen, die Hardwarehersteller können bestenfalls auf einen Stillstand bei der Wachstumsentwicklung hoffen.