Quartalsblues hier, endlose Dotcom-Party dort

Management

Die Zahlen von Microsoft, IBM, Sun, AMD, Juniper, Ebay, …

Die guten Nachrichten zuerst: Microsoft scheint es nicht nur gut zu gehen, der Konzern blickt offenbar auch mit großem Optimismus in die Zukunft: Erstmals seit dem Börsengang 1986 zahlt der Redmonder Konzern eine Dividende von 16 US-Cent pro Aktie.

“Das ist der richtige Zeitpunkt”, so Finanzchef John Connors, “und es zeigt unseren Optimismus für die langfristige Zukunft.” Microsoft hat im zweiten Quartal seines Geschäftsjahres bis Ende Dezember 2,55 Milliarden Dollar Gewinn gemacht und sich damit von den 2,28 Milliarden Dollar des Vorjahres gesteigert. Die Analysten lagen mit ihren Erwartungen knapp darunter.

Auch beim Umsatz ging es nach oben. Nach 7,7 Milliarden waren es jetzt mehr als 8,5 Milliarden Dollar. Vor allem die Spielkonsole X-Box habe sich im Weihnachtsgeschäft gut verkauft, heißt es zur Begründung.

Mit der Dividende machen sich vor allem die Microsoft-Manager ein verspätetes Weihnachtsgeschenk. Knapp 10,9 Milliarden Aktien sind im Umlauf, 16,5 Prozent davon gehören der Redmonder Führungsriege. Bill Gates kann damit voraussichtlich 99,5 Millionen Dollar als Eingang in seinem Aktiendepot verbuchen, bei CEO Steve Ballmer sind es wohl immerhin noch 37,7 Millionen Dollar.

Weniger rosig ist die Stimmung derzeit bei der IBM. Denn hier ist der Gewinn schon zum sechsten Mal in Folge zurückgegangen – und das trotz gestiegener Umsätze mit Dienstleistungen und Hardware.

Nach 2,6 Milliarden Dollar sind es jetzt nur 1,9 Milliarden. Auch hier hatten die Analysten noch niedrigere Zahlen erwartet. Jetzt aber beginne sich das Marktumfeld zu stabilisieren, so Big Blues Finanzchef John Joyce. Zu schaffen machte IBM aber auch das defizitäre Festplattengeschäft, das schließlich an Hitachi verkauft wurde, sowie die Integration der Beratungssparte von Pricewaterhouse-Coopers.

Für Hoffnung sorgen aber nicht nur die warmen Worte des Finanzchefs, sondern auch der Umsatzsprung der IBM-Dienstleister: Sie steigerten sich um 17 Prozent. Allein für das abgelaufene Quartal meldet IBM hier Vertragsabschlüsse über 18 Milliarden Dollar.

Noch schlimmer sieht es bei Sun Microsystems aus: Der Computerkonzern verbucht mit fast 2,3 Milliarden Dollar den größten Verlust seiner Firmengeschichte. Schuld sind milliardenschwere Abschreibungen. Ohne die Sonderbelastungen wäre immerhin ein Gewinn von 10 Millionen Dollar geblieben – das liegt leicht über den Erwartungen der Beobachter. Der Umsatz ging bei Sun leicht zurück, von 3,1 auf 2,9 Milliarden Dollar.

Bei AMD hatten die Analysten auf bessere Zahlen gehofft. Im vierten Quartal betrug der Verlust fast 855 Millionen Dollar. Vor einem Jahr waren es nur 15,8 Millionen Miese beim Intel-Konkurrenten. Dabei konnte AMD seine Umsätze deutlich ausweiten, bei Prozessoren sogar um 60 Prozent. Ausschlaggebend dafür seien neben dem besseren Absatz auch die höheren Durchschnittspreise. Interessant: Auch Flash-Speicher, wie sie in Mobiltelefonen zum Einsatz kommen, legten um 15 Prozent zu.

Lichtblicke gibt es auch bei Juniper. Der weltweit zweitgrößte Netzwerkausrüster konnte seinen Nettogewinn auf 8,5 Millionen Dollar hochschrauben und landete damit erstmals wieder in den schwarzen Zahlen. Vor einem Jahr musste das Unternehmen noch einen Verlust von 5,1 Millionen Dollar ausweisen. Der Umsatz stieg von 151 auf 155 Millionen Dollar.

Zu guter Letzt noch ein Blick auf den E-Commerce: Das Online-Auktionshaus Ebay hat im vierten Quartal nicht nur seinen Gewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum verdreifacht, sondern die Erwartungen für 2003 auch noch deutlich angehoben. Der Reingewinn legte nach Unternehmensangaben von 26 auf 87 Millionen Dollar zu. Der Umsatz von 220 Millionen Dollar verdoppelte sich fast auf nun 414 Millionen. Damit liegt Ebay weit über den eigenen Prognosen.

Für das laufende Jahr sei also ein Umsatz von 1,9 Milliarden Dollar durchaus realistisch, heißt es. Das wären 70 Prozent mehr als der ursprünglich Ausblick versprochen hatte. Der E-Commerce scheint zumindest bei Ebay alles andere als tot zu sein.