Intel macht seinen Itaniums Feuer unterm Hintern

Management

Bekommt die heilige Wintel-Allianz Risse?

Völlig überraschend hat der Prozessor-Multi die Roadmap für seine Itanium-Familie radikal geändert. Wichtige Neuerungen sollen nun um Jahre früher auf dem Markt sein. Damit erhöht Intel den Druck auf Sun, IBM und andere Konkurrenten ganz erheblich.

Zwar werden alle künftigen Prozessoren für den High-end-Serverbereich wohl Itanium 2 heißen. Zur Unterscheidung bleiben die Projektnamen allerdings weiter wichtig. So soll noch in diesem Sommer ein verbesserter Itanium 2 auf den Markt kommen, der momentan als ‘Madison’ bezeichnet wird: Die 64-Bit-CPU wird mit 1,5 GHz getaktet und soll 6 MB Level-3-Cache mitbringen; bisher hat der Itanium 2 nur 1 MB zu bieten.

Kurz darauf soll dann ‘Deerfield’ kommen. Dieser Itamium-2-Cousin werde weniger Energie verbrauchen und soll in Blade- und Rackservern zum Einsatz kommen, heißt es bei Intel.

Im kommenden Jahr steht dann ein runderneuerter ‘Madison’ auf dem Programm, der die Performance mit 9 MB eigenem Cache noch einmal verbessern soll. Und schließlich: Der Dual-Core-Itanium mit zwei Herzen, genannt ‘Montecito’, soll nun schon 2005 verfügbar sein. Bisher hatte der Hersteller 2007 als voraussichtlichen Starttermin genannt.

Montecito wird voraussichtlich mit einer Leiterbahnbreite von nur noch 90 Nanometern gefertigt werden – derzeit sind die Designs noch doppelt so groß ausgelegt. Damit dürften die hochintegrierten Bausteine nicht wesentlich größer werden als sie es heute sind. Bis 2005 will der Hersteller in der Fertigung aber noch einen Zwischenschritt bei 130 Nanometern einlegen.

Um das Design ‘2-in-1’ bemühen sich die Prozessorhersteller ganz besonders, seitdem IBM seinen Power-4 mit zwei integrierten CPUs bestückt hat. Sun will noch in diesem Jahr den Ultra-Sparc IV ähnlich ausrüsten.

Für Kunden von Datenbankanwendungen, beispielsweise von Oracle, dürfte es besonders interessant sein, dass Intel im Gegensatz zu IBM vorhat, seinen Dual-Core-Itanium als “ein Prozessor” zu definieren. Damit wäre für einen Oracle-Server dann auch nur eine Lizenz fällig. Kunden, die Oracle auf einer Maschine mit IBMs Power-4 einsetzen, müssen sich dafür auch tatsächlich zwei Lizenzen zulegen.

Intel hat im Windschatten der viel beachteten Roadmap-Ankündigung nun auch noch eine neue Software vorgestellt, die Linux-Systeme auf Xeon- und Pentium-4-Plattformen deutlich beschleunigen soll. Bisher hatte sich der Halbleiter-König in allen seinen Entwicklungen eng an Microsoft angelehnt. Das Engagement im Open-Source-Bereich scheint jetzt an Bedeutung zu gewinnen.

Die Kunden hätten eine native Linux-Version der V-Tune-Anwendung gefordert, so ein Unternehmenssprecher. Dabei kann die Windows-Ausgabe sogar Linux-Rechner erkennen und steuern. Sie unterstützt zudem die Itanium-Plattform. Das wird V-Tune für Linux aber erst im Laufe des Jahres beherrschen, heißt es bei Intel.

silicon meint: Die jüngsten Umsatzzahlen waren ganz passabel, der Ausblick immer noch stark eingetrübt. Intel will die Forschungsausgaben kürzen, die Analysten halten die Aktie des weltgrößten Halbleiterherstellers für hoffnungslos überbewertet. Das alles will nicht so recht zu der schwindelerregenden Schlagzahl passen, die Intel nur einen Tag später vorlegt. CEO Craig Barret scheint doch zuversichtlicher zu sein, als es auf den ersten Blick scheint.