Prognosen, Wünsche, Seifenblasen – so wird’s 2003

Management

Internet weltweit und für Tage lahmgelegt – was wird passieren?

IT-Profis mit gutem Erinnerungsvermögen können sich am Ende des Jahres 2002 noch in Erinnerung rufen, dass es glaubhafte Prognosen gab, der Aufschwung für die Branche werde im Herbst kommen, ganz sicher. Gemeint war allerdings der Herbst 2001 und eingetreten ist der Aufschwung auch nicht.

Inzwischen sind die Vorhersagen sehr viel vorsichtiger und sehr viel weniger geworden. Von “verhaltenem” oder “gedämpftem Optimismus” sprechen die Chefs der großen Hard- und Softwarewerkstätten in diesen Tagen gerne. Für Europa erwartet beispielsweise Hewlett-Packard eine weitere Konsolidierung.

Die Marktforscher von IDC wollen da auch keine falschen Hoffnungen wecken. Für IT-Güter aller Art werde im kommenden Jahr höchstens 6 Prozent mehr ausgegeben als 2002. Der Weltmarkt werde damit 1,9 Billionen Dollar erreichen.

Davon werde die TK-Branche allerdings kaum etwas abbekommen, heißt es. Hier steht noch einmal ein Umsatz-Minus von 5 Prozent an. Auch die Bäume der IT-Dienstleister werden 2003 nicht in den Himmel wachsen: Projektbezogener Service zumindest wird ohne Wachstum auskommen müssen. Nachlegen werden demnach die Unternehmen allerdings bei den Outsourcing-Diensten, denn hier soll die Nachfrage stark zunehmen.

Von einer nochmaligen Konsolidierung werden vor allem die großen Anbieter wie HP, IBM, EDS profitieren. Deren erklärtes Ziel ist es derzeit nicht etwa, die Ertragslage zu verbessern, sondern zunächst Marktanteile aufzusammeln.

Von der technischen Seite her betrachtet geben die IDC-Beobachter dem Wireless-LAN hervorragende Entwicklungschancen. Allerdings werde die Verbreitung von Hot Spots die Mobilfunkdienste der dritten Generation weniger attraktiv machen, so die Warnung. Insofern fahren manche Carrier ja schon zweigleisig, indem sie Hot Spots und UMTS parallel aufbauen.

Zahlreiche Viren haben auch 2002 ihr Unwesen getrieben. Größten Schaden hat nach Angaben von Trend Micro der Klez-Wurm angerichtet. Überhaupt waren fast nur noch Würmer unterwegs, die Sicherheitslücken von Mail-Anwendungen ausnutzen konnten.

Für 2003 warnen die Sicherheitsexperten nun aber auch die Nutzer von Open-Source-Software davor, sich in allzu großer Sicherheit zu wiegen. Das Betriebssystem Linux beispielsweise verbreite sich derzeit so schnell wie kein anderes. Dieses Wachstum mache die Plattform nun auch für Hacker interessant, heißt es bei Trend Micro. Linux werde in einem Jahr auch für Cluster eine wesentlich größere Bedeutung haben als jetzt, heißt es dazu bei IDC.

Insgesamt sei das Sicherheitsbewusstsein in der IT aber deutlich gewachsen, da sind sich die Hersteller von entsprechender Software einig. Dennoch wird wohl auch 2003 kaum ein ruhiges Jahr für die verantwortlichen Administratoren. Die Hersteller von Sicherheitslösungen dagegen können sich auf ein Umsatzwachstum von 7,5 Prozent einstellen, heißt es bei IDC.

Die Analysten warnen aber auch eindringlich vor den Gefahren des Internet-Terrorismus. Immerhin haben 2002 erstmals Denial-of-Service-Attacken auf das DNS-System gezeigt, wie verwundbar das Netz tatsächlich ist. IDC hält es für möglich, dass durch ähnliche Angriffe mit zerstörerischer Absicht in den kommenden Monaten das Netz zu einem möglicherweise tagelang anhaltenden Absturz gebracht werden könne. Die wirtschaftlichen Folgen eines solchen Ausfalls sind nicht zu beziffern.

Einen Vorgeschmack auf 2003 hat Microsoft gegeben. Bekannt für vollmundige Ankündigungen, denen mehrmalige Start-Verschiebungen folgen, ist sich der Konzern aus Redmond wieder treu geblieben. Windows Dot-net Server 2003, ursprünglich Whistler genannt, sollte eigentlich schon im Herbst 2001 auf den Markt kommen – Anfang 2003 wird es nun also tatsächlich so weit sein, nachdem der zweite Release-Candidate schon die Microsoft-Hallen verlassen hat.

Außerdem erwartet die Anwender und Entwickler ‘Everett’, wie die überarbeitete Version der Dot-net-Entwicklungsplattform zunächst hieß. Und dann soll Office 11 auf den Markt kommen, sowie Titanium, der Exchange Messaging Server.

Verzögerungen gibt es aber auch bei UMTS. T-Mobile hat jetzt den Herst 2003 ins Visier genommen und will in rund 75 Städten der Republik den mobilen Breitband-Dienst anbieten. Allerdings soll die Versorgung mit passenden Endgeräten noch immer ein Problem sein – trotz Verschiebung um gut ein halbes Jahr.

Als Erfolg wertete der neue T-Mobile-Chef Timotheus Höttges zumindest schon einmal die Nachfrage nach MMS-fähigen Endgeräten. Bis zum Jahresende sollten 400 000 T-Mobile-Kunden damit ausgerüstet sein, um mobiles Multimedia zu testen. T-Mobile widerspricht deshalb Unkenrufen, die Kunden seien möglicherweise gar nicht bereit, für UMTS-Anwendungen mehr Geld auszugeben als bisher.