Die fetten Jahre der IT kommen nicht wieder

Management

Und die Chinesen überholen uns mit links

Langsam, aber sicher sind die Entscheider in den Unternehmen wieder bereit, Geld für die IT auszugeben. Das ist das erfreuliche Ergebnis einer Untersuchung der Marktforscher der Aberdeen Group. Grund zum Jubel besteht jedoch noch nicht: Der Erholungsprozess geht nur schleppend voran und das hohe Niveau der goldenen IT-Jahre kann so schnell nicht wieder erreicht werden.

Schon im laufenden Jahr hat sich die weltweite Investitionsbereitschaft laut den Experten wieder etwas gesteigert – allerdings nur marginal um gerade mal 0,9 Prozent im Vergleich zum Jahr 2001. Für nächstes Jahr prognostizieren die Experten schon wieder ein etwas flotteres Wachstum von immerhin 4 Prozent.

Im Vergleich zu den neunziger Jahren ist das allerdings auch noch ziemlich mager – immerhin standen damals zweistellige Wachstumsraten auf der Tagesordnung. Vor diesem Hintergrund entwickeln sich die IT-Investitionen in den kommenden Jahren doch recht bescheiden: Bis 2006 geht die Aberdeen Group von einem weltweiten Wachstum von 4 bis 5 Prozent pro Jahr aus. “Die Faktoren, die früher zu den hohen Wachstumsraten führten, lassen sich nicht wiederholen”, heißt es denn auch in der Untersuchung der Marktforscher.

Und das schon allein deshalb, weil ein großer Teil der damaligen IT-Ausgaben sich aus neuem Equipment anlässlich des Jahrtausendwechsels zusammensetzte. Dazu kamen die übersteigerte Internet-Euphorie, freigiebige Venture-Capital-Geber, die ihr Geld nur zu gern in Dotcoms investierten, traditionelle Unternehmen, die ihre Betriebe schnellstmöglich mit mehr als der bloß notwendigen IT ausstatten wollten und geradezu sagenhafte IT-Ausgaben auf dem Telekom-Sektor. Ein Szenario, das wohl auch in ferner Zukunft nicht mehr wiederholbar sein wird.

Stattdessen muss die Branche nun nach dem harten Fall auf den Boden der Realität lernen, mit normalen Marktbedingungen umzugehen. Und das bedeutet: Die Höhe der jeweiligen Ausgaben hängt nicht zuletzt auch von jener des Bruttoinlandsprodukts und von der Umsatzentwicklung der jeweiligen Unternehmen ab. Derzeit machen die IT-Investitionen rund 3,8 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts aus. Ein höheres BIP bringt auch höhere Ausgaben.

Zudem haben sich auch die Entscheidungskriterien in den Führungsetagen geändert. “IT-Investitionsentscheidungen werden heute nicht mehr unabhängig von den Gesamtkosten des Unternehmens gesehen”, heißt es bei der Aberdeen Group: “Sie müssen entsprechend eingeplant werden.”

Eine wahren Höhenflug sagen die Experten hingegen der Volksrepublik China voraus: “Chinas Stellenwert wird geradezu dramatisch ansteigen.” Vom derzeit sechstgrößten Markt für IT-Produkte soll sich das Reich der Mitte bis zum Jahr 2006 zum drittgrößten entwickeln – Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien bleiben dahinter zurück.

Japan hingegen kränkelt weiter dahin und soll bis zum Jahr 2004 keine nennenswerten IT-Wachstumsraten mehr verzeichnen. An der Spitze der Statistik rangieren die USA – und auf dieser Position bleiben sie auch, laut den Marktforschern zumindest bis 2006.

Silicon meint: Für die erfolgsverwöhnte Branche ist es ein harter Schlag, zu erkennen, dass die fetten Jahre unwiderruflich vorbei sind. Die Prognosen der Aberdeen Group sind aber zumindest ein kleiner Trost für jene, die die Krise halbwegs heil überstanden haben: Reichtümer sind zwar mittelfristig nicht zu erwarten – Geld verdienen kann man mit der IT allerdings immer noch. Zumindest genug, um zu überleben. Aber Not macht eben auch bescheiden…