Deutsche ITK-Branche berappelt sich

Management

Gerade jetzt Informatik-Studium beginnen

“Die ITK-Branche in Deutschland will aus dem Tal heraus.” Diesem frommen Wunsch hofft der Branchenverband Bitkom mit ein wenig begründetem Optimismus auf die Sprünge zu helfen. Denn das aktuelle Branchenbarometer weist Wachstumschancen für Mobilfunk- und Online-Dienste aus. Schlecht sehe es allerdings weiterhin für Netzinfrastruktur-Unternehmen aus, erklärte Bitkom-Vizepräsident Willi Berchtold.

Der Umfrage zufolge rechnen 54,4 Prozent der Unternehmen mit steigenden Umsätzen. Im Schnitt erwartet eines von zwölf sogar Umsatzsteigerungen von mehr als 10 Prozent. Ein gutes Viertel, 28,3 Prozent, geht immerhin von einem Geschäftsverlauf auf Vorjahresniveau aus. Und 17,2 Prozent äußerten sich pessimistisch.

Insgesamt werde der deutsche ITK-Markt im kommenden Jahr um 0,4 Prozent auf 136,5 Milliarden Euro wachsen, rechnet Bertold anhand seiner Ergebnisse vor. Von einer echten Erholung will er allerdings erst 2004 sprechen.

Zumindest helle sich das Klima aber auf: Der Branchenindex, der sich an den Umsatzerwartungen der Betriebe orientiert, war im Sommer vergangenen Jahres mit 100 Punkten gestartet und stürzte bis Sommer 2002 auf 44 Punkte. Jetzt sei eine Erholung auf 60 Punkte zu beobachten, so Berchtold in München. “Von der früheren Euphorie sind wir aber noch weit entfernt.” Aber er will auch nichts von Miesepeterei wissen.

Derselben Meinung ist Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement. Der meint, so schlecht stehe die Bundesrepublik aber gar nicht da. Sein Ministerium sieht Deutschland bei der Verbreitung von Breitband-Anschlüssen auf Platz 2 und an weltweit dritter Stelle bei den Online-Shoppern. Anlass zu Sorge gebe aber noch die schwache Einbindung des Internet in E-Business-Strategien bei kleinen und mittleren Unternehmen, heißt es im fünften Faktenbericht “Monitoring Informationswirtschaft” des Ministeriums. Diese Fakten könnte man aber auch als Möglichkeit für IT-Berater sehen.

Allerdings warnt der Bitkom noch vor einer Reihe von Hindernissen und Gefahren: Berchtold forderte bei der Vorstellung seines Barometers, das halbjährlich erstellt wird, erneut eine Kraftanstrengung des Öffentlichen Dienstes für höhere Effizienz. Die sollten E-Government-Projekte endlich liefern, außerdem würden damit weitere Innovationen in der ITK angestoßen.

Ferner biete die Krise des Gesundheitswesens eine Chance, moderne Informationstechnik einzuführen. “Wir können die medizinische Versorgung verbessern und gleichzeitig Kosten sparen. Aber dazu müssen sich die beteiligten Gruppen -auf einheitliche Standards im Gesundheitswesen einigen.”

Abgesehen von den brachliegenden Auftragschancen tragen die Unternehmen aber noch ganz andere Nöte an ihren Verband heran. So sei bei mehr als 60 Prozent der befragten Firmen die Finanzierungssituation “das größte Problem”. Die Banken forderte Berchtold deshalb auf, gerade jetzt in ITK-Unternehmen zu investieren.

So antizyklisch sollten sich seiner Ansicht nach auch die Studien-Anfänger verhalten. Auch wenn Ingenieurwissenschaften und Informatik nicht gerade den besten Ruf hätten, sollte man jetzt eine solche Ausbildung in Betracht ziehen. “Wir müssen jetzt für den Aufschwung der Jahre 2004 und folgende ausbilden”, so Berchtold.

Die Zahl der Studienanfänger hat im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent abgenommen. Der Zuwachstrend ist damit erstmals seit 1995 gebrochen. Auch die verwandten Bereiche Elektrotechnik und Eletronik haben derzeit 6 Prozent weniger Studienanfänger als im Vorjahr gelockt, nämlich nur 16290 Studenten bundesweit, weiß der Verband VDE.

Sobald die Konjunktur aber wieder anspringe, so der Bitkom-Chef, würden die ITK-Unternehmen, die heute noch unter Personalmangel leiden, ihre Lücken auch tatsächlich schließen. Immerhin jedes siebte Unternehmen, das die Krise bisher überstanden hat, sucht noch immer qualifizierte Mitarbeiter.

Silicon meint: Erwartungen sind nun leider auch von Hoffnungen beeinflusst. Deswegen sollte man nicht alles, was der Bitkom hier an Zahlen ausgebreitet hat, für bare Münze nehmen. Aber zumindest stehen die positiven Aussagen, die man eben von einem solchen Verband zu jeder Zeit erwartet, auf etwas solideren Beinen, als noch vor einem halben Jahr. Wie die Stellschrauben funktionieren, ist eigentlich schon lange klar. Jetzt braucht es nur noch ein paar Mutige, die auch daran drehen wollen.