Microsoft könnte IBMs Rational-Deal kippen

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Oder doch lieber Borland?

Die angekündigte Übernahme von Rational Software durch IBM schlägt offenbar höhere Wellen, als zunächst vermutet. Seit kurzem wird in den USA darüber spekuliert, ob sich Microsoft nicht dadurch genötigt sieht, den Spezialisten für Entwicklung-Tools Borland möglichst schnell zu übernehmen. Aber noch immer melden sich Beobachter zu Wort, die einen Kampf zwischen IBM und Microsoft um Rational nicht für ausgeschlossen halten.

Vor allem Lösungsanbieter bleiben nach US-Medienberichten dabei, Microsoft werde ein Aufgehen von Rational in Big Blue als Bedrohung auffassen. Rational ist schließlich Marktführer bei Software für Life-Cycle- und Change-Management. Mit dieser Expertise und diesen Werkzeugen könnte Microsoft wichtige Punkte im Unternehmensumfeld sammeln.

Borland dagegen bringe zwar eine Menge an Java-Wissen mit, aber mit Rational sei das Unternehmen bei weitem nicht zu vergleichen. Rational bietet derzeit Entwickler-Tools sowohl für Java, als auch für Microsofts Dot-net-Plattform. In Redmond macht sich nun aber die Befürchtung breit, Dot-net könne aus dem Fokus geraten, wenn Rational zukünftig ausschließlich nach IBM-Vorgaben arbeite.

Als Szenario für einen Deal zwischen Rational und Microsoft wird deshalb durchgespielt, der Tools-Spezialist könnte einer Komplett-Übernahme ablehnend gegenüberstehen, weil die Abhängigkeit von einem Hersteller die Glaubwürdigkeit in der Entwicklergemeinde untergrabe. Ein Angebot von Microsoft für eine größere Beteiligung habe daher gute Chancen.

Denn schließlich ist Rational wohl auch nicht ganz billig. Borland dagegen wäre wohl wesentlich günstiger zu haben. Dessen Gründer und Ex-Chef Philippe Kahn gab nun allerdings zu bedenken, dass die Kartellbehörden etwas dagegen haben könnten. Immerhin sei Borland nach Microsoft der zweitgrößte Lieferant von Windows-Entwickler-Tools.

Bei der Rochade zwischen IBM und Microsoft kommt nun allerdings auch noch Bea ins Spiel. Der Softwareentwickler könnte auch selbst an Borland großes Interesse haben. Die beiden Unternehmen arbeiten bereits eng zusammen. Beobachter in den USA merken außerdem an, dass Microsoft-Berater schon vor längerem einen Kauf von Rational empfohlen hatten – ohne Erfolg. Jetzt könnte es für Redmond also den entscheidenden Tick zu spät sein, um sich mit einem strategischen Zukauf richtig zu positionieren.