Palmsource-Chef: Handhelds müssen kommunizieren lernen

Management

Nur dann kann es mit Wachstum etwas werden …

Was den Siebzigerjahren ihr Minicomputer und den Neunzigern der PC, das ist der heutigen Generation der Handheld-Computer. Und wie in den vergangenen Jahrzehnten die Produktionszahlen zuerst der Minicomputer und dann der PCs in die Höhe schossen, so wird in den kommenden Jahren die Zahl der Handheld-Computer förmlich explodieren.

So sieht es jedenfalls David Nagel, CEO des Softwarehauses Palmsource in einem Interview mit silicon.de. Der alte IT-Haudegen – er war in den Gründerjahren bei Apple Computer an Bord – rechnet für 2006 mit mehr als 60 Millionen verkauften Geräten. Heuer werden gerade mal 16 bis 18 Millionen Handhelds die Fabriken verlassen.

Die Nachfrage werde aber ab dem kommenden Jahr immer stärker von vernetzten Geräten getragen, betont Nagel. Der nur gelegentlich kommunikative Standalone-Handheld, wie er heute noch den größten Teil des Marktes ausmacht, werde zwar nicht aussterben, aber mittelfristig an Bedeutung verlieren.

Zwar komme ein großer Teil der Käufer aus den Kreisen der Privatanwender, doch auch Unternehmen würden von der gesteigerten Produktivität durch die Winzlinge deutlich profitieren, verspricht Nagel. So setzten etwa das Palm OS, das Betriebssystem von Palm und seinen Lizenznehmern, schon heute 95 Prozent der Unternehmen oder deren Mitarbeiter ein.

Das hat auch eine Umfrage des Forschungsinstituts Maritz Research unter amerikanischen IT-Managern ergeben. Auf der Liste der Unternehmen, in deren IT-Landkarte die Handhelds einen strategischen Platz erobert haben, finden sich Unternehmen wie Goldman Sachs, O2, Volkswagen, Bayer, United Parcel Service und Gilette.

Dabei hat die Palm-Welt mit Herstellern wie Handspring, Sony, Samsung und natürlich auch Palm selbst gegenüber dem Microsoft-Lager deutlich die Nase vorn: 45 Prozent der US-Betriebe setzen Handrechner mit dem Betriebssystem aus Redmond ein, deutlich weniger als solche mit Palm OS. Während für den Pocket PC aus dem Microsoft-Lager zurzeit 4316 Anwendungen verfügbar sind und die europäische Symbian-Initiative um den Handy-Hersteller Nokia auf ganze 167 Programme kommt, umfasst der Markt für Palm-Software über 15 000 Softwarepakete, die unternehmensintern erstellten Anwendungen nicht mitgerechnet.

Nagel sieht diesen Vorsprung vor allem im Unterschied der Lizenzpolitik zwischen Microsoft und Palm begründet. So habe Microsoft ein Referenzdesign mit engen Vorgaben erstellt, an das sich alle Lizenznehmer strikt zu halten hätten; das stoße bei vielen Vertragspartnern auf Widerstand, sagt Nagel. “Kaum ein kompetenter Hardwarehersteller möchte sich von Microsoft zum Clone-Produzenten machen lassen”, sagt Nagel. Außer natürlich, sie sind es schon, wie im Fall von Compaq, HP, Toshiba, und demnächst auch Dell.

Die Palm-Partner seien erheblich freier bei ihren Entwicklungen. Um die Kompatibilität zu sicher zu stellen, habe Palmsource aber auch einen umfangreichen Kompatibilitätstest erarbeitet. Und zu Beginn des kommenden Jahres sei Palmsource dann gänzlich von der Mutter Palm abgenabelt und stehe juristisch wie finanziell auf eigenen Füßen. Damit will Nagel nach eigenem Bekunden die Vertrauensbasis der Lizenznehmer stärken und einen Verdacht der Monopolisierung gar nicht erst aufkommen lassen.

Das scheint sich auszuzahlen. Weltweit schreiben laut Nagel 240 000 Entwickler Anwendungen für die Palm-Plattform. Und demnächst werden es vielleicht noch einige mehr werden: In den nächsten Tagen will Palm eine ganze Reihe neuer Lizenznehmer vorstellen. Wer das ist, könne er jetzt noch nicht sagen, tut Nagel geheimnisvoll. Aber sie sollen “aus ganz unterschiedlichen Bereichen” sein.

silicon meint: Produktivität schön und gut – aber ob sie durch die Ausstattung von immer mehr Mitarbeitern mit diesen Westentaschencomputern erreicht wird, sei einmal dahingestellt. Denn die Erfahrung mit dem PC hat gezeigt: So etwas reizt zum Spielen und zum Herumfummeln an Konfiguration und Parametern. Deswegen wird sich der erhoffte Schwung bei den Handheld-bestückten Mitarbeitern erst einstellen, wenn die IT-Abteilung dafür sorgt, dass es an den Dingern garantiert nichts einzustellen und zu installieren gibt. Noch mehr als bei PCs ist hier ein striktes Management gefordert.