Sexy: Stapelverarbeitung im Rechenzentrum

Management

Die bayerische Förderbank schwärmt schon

Software-Tools für Rechenzentren gelten als wenig sexy, vielmehr als kompliziert und nur für Eingeweihte verständlich. Doch die SBB Software GmbH aus Wien strebt mit ihrem Job-Scheduling-Tool UC4 ein benutzerfreundliches Image an. Die Bayerische Landesanstalt für Aufbaufinanzierung (LfA) hat angebissen.

Der Modetrend, sämtliche Stapelverarbeitungen durch Online-Manöver abzulösen, hat sich in Luft aufgelöst. Nach wie vor gibt es vor allem in der Massendatenverarbeitung jede Menge an Batch-Systemen. Dabei ist ein Batch eine Instruktion an ein Computersystem, Kommandos aus Listen oder Warteschlangen, so genannte Queues, auszuführen.

Reihenfolge entscheidet

Die Anzahl der anfallenden Batch-Jobs innerhalb einer Firma kann stark variieren. So knubbeln sich Rechnungen und Zahlungsanweisungen in vielen Betrieben am Monatsende. Gemessen am Arbeitsaufkommen in einem Rechenzentrum nimmt das Ordnen von Batch-Jobs und die Überwachung generell einen etwa zehnprozentigen Raum ein, schätzt Felix Hausl, Leiter DV Team 4 bei der LfA.

Denn neben der richtigen Reihenfolge gehört zum Job-Scheduling auch ein Event-Management, um verteilte Computer-Ressourcen zu koordinieren und auf Fehlerfälle sowie Ausnahmen reagieren zu können.

Job-Scheduler wie UC4 müssen deshalb einerseits über Funktionen verfügen, mit denen sich die Arbeitslast effizient verteilen lässt. Andererseits sollte es mit ihnen möglich sein, Reaktionen auf Ereignisse zu automatisieren. Als Beispiel nennt die SBB den Fall, dass auf einer Platte zu wenig Speicher zur Verfügung steht. Das System kann daraufhin eine Reihe von Maßnahmen einleiten.

Stop aller Prozesse

Zum Beispiel werden Prozesse, die diese Platte nutzen, vorübergehend angehalten. Alle andere Prozesse müssen alternative Massenspeicher nutzen. Das System startet Archivierungsprozesse, die die Auslastung der Platte reduzieren können. Der Systemadministrator erhält einstweilen eine Mail oder auch eine SMS.

Die Systemlandschaft der LfA bestand noch 1999 aus BS2000-Großrechnern, die aus dem Hause Siemens stammen. Damals betrug die Anzahl der Batch-Jobs 12 410 pro Tag. In diesem Jahr stieg die Zahl auf rund 20 000, die in rund 390 verschiedene Routinen gefasst sind. Von den Jobs laufen ungefähr 14 800 auf den Host-Systemen, 4600 auf Windows-Rechnern und 600 unter Unix-Derivaten.

Zurück zu Microsoft

Zwar verfügt das LfA-Rechenzentrum bereits seit 1993 über ein Tool, das für die Automatisierung der Jobs sorgt, doch seit 2001 haben sich die Bedingungen für den Einsatz geändert. Jigs-RZA, das Werkzeug der Gebert Software GmbH aus Öhringen, das im Einsatz war, bedient ausschließlich BS2000-Umgebungen.

Seit dem vergangenen Jahr aber nutzt die Förderbank, die im Besitz des Bayerischen Staates ist, auch Windows- und Unix-Systeme. Künftig sollen darüber hinaus in der Bank mit kameralistischer Buchführung und 300 Mitarbeitern, nur noch Microsoft-Betriebssysteme zum Einsatz kommen.

Deshalb machte die Förderbank schon 1999 eine Anforderungsstudie, wobei zunächst neben der Steuerung der Batch-Jobs auch die Rechenzentrumsüberwachung eine Rolle spielte. Die Komplexität jedoch erwies sich als erschreckend, so dass die Projektverantwortlichen sich zunächst nur auf die Suche nach einem adäquaten Job-Scheduler machten.

Keine Alternativen

Es entstand ein 30-seitiger Anforderungskatalog. Als eines der schwierigsten Kriterien erwies sich die geforderte Unterstützung der BS2000-Rechner. Dabei gab es laut LfA-Experte Hausl kaum Alternativen zu dem SBB-Produkt. So nutze der IT-Dienstleister Siemens Business Service (SBS) nach Aussagen der UCP4-Herstellers zur Job-Administration auf seinen BS2000-Computern nicht etwa das von Siemens-Nixdorf Software eingeführte Produkt “Joce”, sondern die SBB-Software.

Zu den bekannten UCP4-Konkurrenzprodukten sind etwa Dollar Universe von Orsyp, Process Scheduling Manager von Beta Systems oder Topx von APC.

Grafische Oberfläche begeistert

Im Mai 2001 führte die Förderbank schließlich UC4 ein. Die Produktionsumstellung erfolgte in drei Wochen und betraf rund 350 diverse Jobs. Dabei blieb die bisherige interne Strukturierung unverändert. Die Jobs ließen sich nahezu unangetastet aus dem Vorgängersystem übernehmen. Die Schulung der Mitarbeiter nahm zwei Tage in Anspruch.

Hausl freut sich, dass nun die alte, umständliche Oberfläche einer grafischen gewichen ist. Änderungen im System ließen sich nun von jedem Operator erstellen, da eine Programmierung der neuen Jobabläufe entfiel.

Außerdem betont er die Vorteile der im SBB-Produkt verankerten Dokumentation, beziehungsweise des Reporting und der Statistiken. Damit ließen sich unter anderem auch komfortabel sämtliche Revisionskriterien erfüllen, die an die Sicherheit eines Bankensystems gestellt werden.

Mysap ist verwöhnt

Insgesamt schätzt die LfA die Projektkosten auf unter einer Million Euro. Die reinen Produktkosten dürften sich je nach Größe der Installation nach Aussage von SBB-Vertretern auf 50 000 Euro oder mehr belaufen. Dabei hingen die Kosten für die Einführung eines Job-Scheduling-Produkts von der Art und Anzahl benötigter Connectoren, beziehungsweise Executoren ab, erläutert Hausl.

Die LfA benötigt für insgesamt 44 Server vier UC4-Executoren – unter anderem für die unter Reliant-Unix laufenden Datenbanken, die BS2000-Systeme und die Windows-Anwendungen und Solaris-Rechner, über die etwa die Anbindung ans Internet funktioniert.

Einer der wichtigsten Executoren ist nach Angaben von Thomas Vanek, Senior Consultant bei SBB, der für die SAP-Software Mysap. Denn mehr als die Hälfte aller Kunden nutzten Produkte des Walldorfer Herstellers.

Ablösung reiner Mainframes

Wie Vaneks Kollege und Vertriebsmann Thomas Balduff ausführt, generiert SBB mittlerweile 25 Prozent des Umsatzes mit der Ablösung rein Mainframe-bezogener Job-Scheduling Systeme. Explizit nennt er die Hersteller Computer Associates und BMC.

Immerhin 39 Prozent des Geschäfts macht SBB mit Microsoft-Plattformen und 38 Prozent auf der Grundlage von Unix-Systemen. Nach Angaben der Marktforscher der Gartner Group hält SBB im Juli 2002 weltweit einen Marktanteil von 48 Prozent. Die Analysten bescheinigen dem Hersteller zudem, der am schnellsten wachsende Anbieter auf dem Job-Scheduling Markt zu sein.

Im ersten Halbjahr 2002 konnte das österreichische Unternehmen einen Umsatz von 8,8 Millionen Euro ausweisen.