Sommer-Nachfolger Ricke muss Rekordverluste bekämpfen

Management

Kandidatenkarussell beendet

Das Personalproblem an der Spitze der Deutschen Telekom wird nun wohl doch intern gelöst. Nachdem rund ein Dutzend internationale Manager nach Gerüchten und Indiskretionen abgewunken hatten, soll jetzt Mobilfunk-Chef Kai-Uwe Ricke den Stuhl besetzen.

Nach Zeitungsberichten will das vierköpfige Präsidium des Aufsichtsrats auf der Sitzung am Donnerstag dieser Woche einen entsprechenden Vorschlag machen. Einen weiteren Personalvorschlag für die Nachfolge von Ron Sommer wird es dem Vernehmen nach nicht geben. Die Zustimmung der 19 Aufsichtsratsmitglieder gilt als sicher.

Kai-Uwe Ricke gilt zwar als ausgesprochener Branchenkenner und auch bei den Arbeitnehmern als passable Lösung. Allerdings beklagen Analysten bereits, dass von der Personalentscheidung keine neuen Impulse zu erwarten seien. Immerhin galt Ricke immer als enger Vertrauter von Sommer und hat dessen Kurs der hohen Verschuldung mitgetragen.

Sollte Ricke, der bislang einzige ernsthafte Kandidat, Chef der Deutschen Telekom werden, so hat er gleich zu Anfang ein großes Problem zu lösen. Mit 28 Milliarden Euro Verlust stellt der Konzern einen neuen negativen Rekord für ein Dax-Unternehmen auf.

Wie das Handelsblatt aus gut informierten Kreisen erfuhr, soll für das noch laufende Jahr gerechnet der Posten Sonderabschreibungen allein 20 Milliarden Euro betragen. Dahinter verbergen sich die Kosten für neu erworbene Töchter und der immer noch belastende Aufwand für UMTS-Lizenzen. Die restlichen 8 Milliarden Euro seien dem operativen Geschäft anzulasten, zitiert das Blatt Vorstandskreise. Allein in den ersten neun Monaten sollen nach diesen Informationen die Verluste schon 5 Milliarden Euro betragen haben.

Dass sich der Vorstand erst vor kurzem geeinigt hat, die Sommer-Lieblingstochter Voicestream nicht zu verkaufen, einen US-Mobilfunkanbieter mit vergleichsweise geringer Netzabdeckung in Bezug auf die Konkurrenten, rutschen die roten Zahlen dieser Tochter auch in die Telekom-Bilanz.

Dieses Festhalten an Voicestream bedeute, dass allein Einsparungen und Preiserhöhungen geeignet seien, die Verluste zu minimieren. Das, so zitiert die Zeitung Unternehmenskreise, sei “zwar kein einfacher Weg”, er habe allerdings den Vorteil, dass das Unternehmen “sofort loslegen” könne.

Das Sparprogramm stützt sich weitestgehend auf den bereits mehrfach angekündigten Abbau von 50 000 Arbeitsplätzen. Einige Tausend gekündigte sollen allerdings lediglich den Arbeitsplatz innerhalb des Konzerns wechseln. Die Belegschaft hat ihre Protestaktionen gegen den massiven Stellenabbau bereits begonnen.

Außerdem erwarte die Branche am Donnerstag auch, dass weitere Investitionskosten sehr genau geprüft würden. Der Ausbau der netze dürfte demnach langsamer vonstatten gehen. Ursprünglich waren für das laufende und das nächste Jahr 10 Milliarden Euro dafür bereit gelegt worden – jetzt ist nur noch von 8 Milliarden die Rede.

Silicon meint: Die Aktionäre werden wohl weiter das Schicksal der Deutschen Telekom teilen und Verluste machen: Die Tatsache, dass die Streichung der Dividende 1,6 Milliarden Euro gespart hat dürfte in diesen sparwütigen Zeiten den neuen Chefsparer zum Wiederholungstäter machen. Sicher lässt sich der Sommer-Schüler diese Gelegenheit nicht entgehen, beim Aufsichtsrat einen guten Eindruck zu machen.